Politik

Müde Augen in Madrid UN-Klimagipfel ringt um den Abschluss

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Marathonverhandlungen in Madrid: Der Abschluss der UN-Klimakonferenz COP25 ist längst überfällig.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

Auf der Weltklimakonferenz arbeiten Delegierte aus mehr als 190 Staaten an einem Kompromiss. Die Erklärungen zur Abschlusssitzung bleiben zunächst vage: UN-Staaten sollen ihre Klimaschutzzusagen einhalten, heißt es.

Vorsichtiges Aufatmen bei der UN-Klimakonferenz in Madrid: Fast 40 Stunden nach dem ursprünglich geplanten Ende des Gipfeltreffens ist das Plenum doch noch zu seiner Abschlusssitzung zusammengekommen. Beobachter hatten am frühen Morgen bereits befürchtet, die Mammutveranstaltung könnte ohne Ergebnis enden und in ein klimapolitisches Debakel münden.

Letztlich gelang es den Delegierten nach zwei außerplanmäßigen Nachtsitzungen offenbar, sich auf einen Kompromiss in den zuletzt noch offenen Fragen zu einigen. Nach mehrfacher Verschiebung versammelten sich die Delegierten am Vormittag im großen Tagungssaal, um die Beschlüsse der Konferenz abzusegnen.

Reibungslos läuft die Abschlusssitzung nicht: Gleich zu Beginn hielt Brasilien die Beschlussfassung auf. Der Delegierte des südamerikanischen Landes forderte zunächst, aus dem Text zur Steigerung der Klimaschutzambitionen zwei Artikel mit Bezügen zur Landnutzung und zu Ozeanen zu streichen. Nachdem mehrere Länder sich dagegen wandten, erklärte der brasilianische Delegierte, er müsse "darauf bestehen", dass die entsprechenden Artikel gestrichen werden.

Nach erneuten Wortmeldungen hielt der Brasilianer nur noch an der Streichung des Ozean-Artikels fest. Die Berücksichtigung der Meere beim Klimaschutz war allerdings ein Schwerpunkt der chilenischen COP-Präsidentschaft. Nach erneuten Wortmeldungen lenkte Brasilien schließlich ein und akzeptierte den vorliegenden Text, so dass er verabschiedet werden konnte.

Brasilien, das von dem rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro regiert wird, gehört bei den Klimaverhandlungen zu den Bremsern. Bei der Ausgestaltung von Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens zu Marktmechanismen setzte sich das Land federführend dafür ein, unter dem Kyoto-Protokoll erworbene Emissionszertifikate unter dem Pariser Abkommen weiter gelten zu lassen. Umweltverbänden wie auch Deutschland und die EU warnten, dies könne das gesamte Pariser Abkommen unterlaufen.

Nach zweiwöchigen Verhandlungen erinnerte das Plenum in der einleitenden Erklärung zu dieser mutmaßlich letzten Sitzung der Veranstaltung alle rund 190 teilnehmenden Staaten an ihre Zusage, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen. Vier Jahre nach der Einigung auf das Klimaabkommen von Paris sollte das Plenum zudem Regeln für die internationale Zusammenarbeit beschließen, insbesondere den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften. Ob das gelingen würde, war zunächst aber noch offen.

Übermüdete Teilnehmer, Ausfälle in der Technik

Bei der abschließenden Plenarsitzung gab es einige Verwirrung. Einige der fast 200 Teilnehmerstaaten sprachen von technischen Problemen bei der Lektüre der Textentwürfe. Die chilenische Konferenzleitung musste mehrmals Erklärungen dazu abgeben, während Vertreter einiger Länder mehr Zeit forderten, um die Dokumente zu studieren. Offenbar gab es zudem auch Schwierigkeiten mit der Internetverbindung am Tagungsort.

Die Beschlüsse sollen die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens konkretisieren. Beobachter hatten ein Scheitern der Verhandlungen zuletzt nicht mehr ausgeschlossen. Bis zum Ende wurde um wichtige Details gerungen. Teilnehmer sprachen von den mit Abstand längsten Verhandlungen bei einer Weltklimakonferenz.

Besonders umstritten war die Ausgestaltung von Artikel 6. Er sieht vor, auch Marktmechanismen zur Steigerung und Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge, der sogenannten NDCs, zu nutzen. So könnte ein Industrieland ein Solarkraftwerk in einem afrikanischen Land finanzieren, um dort die Nutzung fossiler Energieträger zu verringern, und sich diese Emissionseinsparung auf sein NDC anrechnen lassen.

Hinweis: In einer ersten Fassung dieses Beitrags war gestützt auf Meldungen aus Madrid von einem "Durchbruch" die Rede. Wir haben diese Angaben korrigiert.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa