Politik

115 Menschen vor Libyen vermisst UN fordern Ende der Internierungslager

Bei einem neuen Bootsunglück im Mittelmeer ertrinken mutmaßlich mehr als 100 Menschen. UN-Flüchtlingskommissar Grandi spricht von der "schlimmsten Mittelmeertragödie dieses Jahres". Derweil will Italien Seenotrettern mit hohen Strafen das Helfen praktisch unmöglich machen.

Nach dem womöglich schwersten Bootsunglück im Mittelmeer in diesem Jahr fordern Organisationen der Vereinten Nationen, die Seenotrettung dort wiederaufzunehmen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und das UN-Kinderhilfswerk Unicef riefen darüber hinaus dazu auf, die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden. Ein Sprecher der libyschen Küstenwache hatte gestern gesagt, nach einem schweren Bootsunglück vor der Küste Libyens würden 115 Migranten vermisst. Damit nährte er Befürchtungen über den Tod Dutzender Menschen auf ihrer Fahrt über das Mittelmeer.

*Datenschutz

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) könnten bei dem Unglück noch deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sein. Es wäre das schwerste Bootsunglück im Mittelmeer des laufenden Jahres. Nach Schätzungen der Organisation könnten bis zu 300 Menschen in Seenot gewesen sein, unter ihnen Frauen und Kinder. Am späten Abend teilte IOM mit, dass 87 Migranten an die libysche Küste zurückgebracht worden seien. 84 von ihnen seien in das Internierungslager Tadschura gebracht worden.

Derzeit sind keine privaten Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Die deutsche Organisation Sea-Eye kündigte allerdings am Donnerstag an, mit der "Alan Kurdi" in Richtung der Rettungszone vor der libyschen Küste aufzubrechen. Dort werde sie voraussichtlich Dienstag eintreffen, erklärte die Regensburger Organisation.

Innerhalb der Europäischen Union läuft ein Streit darüber, wie Migranten verteilt werden sollen, die im Mittelmeer gerettet werden. Die italienische Abgeordnetenkammer gab derweil grünes Licht für einen Gesetzesentwurf, nach dem Seenotrettern in dem Land künftig Strafen von bis zu einer Million Euro drohen könnten, wenn sie mit ihren Schiffen unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer fahren. Das neue Gesetz soll den Behörden im Fall einer Verletzung eines Einfuhrverbots auch ermöglichen, das betreffende Schiff zu konfiszieren. Damit wird der Druck auf Hilfsorganisationen, die im Mittelmeer Migranten retten, weiter erhöht.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten für Menschen, die nach Europa kommen wollen. Beim Versuch, es zu überqueren, kamen dieses Jahr nach IOM-Angaben bereits mehr als 680 Menschen ums Leben. Mehr als 3700 seien aufgegriffen und in Internierungslager in Libyen gebracht worden. Der nordafrikanische Staat ist ein Transitland für Tausende von Migranten. Die Lager sind berüchtigt, es gibt Berichte über Folter, sexuellen Missbrauch und Menschenhandel.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

Mehr zum Thema