Politik

Moskau plant mehrere Kessel US-Experten sehen russischen Strategiewechsel im Donbass

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Russischer Panzer beim Vormarsch im Donbass.

(Foto: REUTERS)

Mit einem großen Zangenangriff wollte der Kreml den Donbass erobern. Doch der große Durchbruch blieb aus. Nun scheinen Russlands Militärs einen neuen Plan zu verfolgen. Laut Militärexperten bemüht sich Moskau, mehrere kleinere Kessel zu bilden.

Mitte April starteten die russischen Streitkräfte in der Ostukraine die zweite Phase ihrer Invasion. Ausgehend von der Stadt Isjum in der Region Charkiw versuchten Verbände Moskaus mit einem großen Zangenangriff nach Süden vorzustoßen, um eine Verbindung mit eigenen Einheiten in Debalzwewe in der Region Donezk herzustellen. Durch dieses Manöver sollten zahlreiche ukrainische Truppen im Frontbogen weiter östlich abgeschnitten und zur Kapitulation gezwungen werden. Doch der anhaltende Widerstand und ukrainische Geländegewinne im Raum Charkiw behinderten die Operation.

Nun scheint der Kreml seine Pläne geändert zu haben. Dem US-Institut für Kriegsforschung (ISW) zufolge versuchen Moskaus Truppen jetzt gleichzeitig mehrere kleine ukrainische Verbände in der Region Luhansk einzukreisen, um schrittweise Geländegewinne zu erzielen. Demnach sind russische Einheiten bemüht, bei Bachmut, Zolote, Sjewjerodonezk und Awdijiwka Kessel zu bilden. Die für die Angriffe nötigen Reserven an Mensch und Material würden aus den Gebieten um Charkiw, Isjum, Donezk und Saporischschja abgezogen, hieß es.

Mit den simultanen Angriffen an unterschiedlichen Punkten der Front scheinen Moskaus Militärs mehr Erfolg zu haben. So sollen sich zuletzt ukrainische Einheiten südwestlich von Popasna zurückgezogen haben, um ihre Kommunikationslinien zu schützen. Bereits in der letzten Woche verzeichneten die russischen Truppen im Gebiet Luhansk mehr Geländegewinne als im gesamten Mai zuvor, erklärten die Analysten des ISW. Ein entscheidender Durchbruch sei ihnen dabei allerdings nicht gelungen.

Im russischen Fokus steht insbesondere Bachmut. Die 70.000-Einwohner-Stadt in der Region Donezk ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der momentan auch als improvisierte Kommandozentrale der ukrainischen Armee dient. Von Bachmut führen Straßen zu allen Abschnitten der Front. Sollte der Ort fallen, wäre auch die Nachschublinie zu den nordöstlich gelegenen Lyssytschansk und Sjewjerodonezk gekappt. Die beiden Industriestädte haben sowohl für Kiew als auch für Moskau eine hohe symbolische Bedeutung. Sie sind die letzten Städte in der Region Luhansk, die noch von der Ukraine gehalten werden.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste dürfte die Eroberung von Lyssytschansk und Sjewjerodonezk die russischen Truppen allerdings vor neue Herausforderungen stellen. Denn die Verschiebung der Front Richtung Westen würde die bereits vorhandenen logistischen Probleme noch verschlimmern, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP

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