Politik

Vorstöße bei Charkiw Ukrainische Armee geht in die Offensive

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Krieg in blühenden Landschaften: Die Gefechte im Osten der Ukraine bringen Tod und Zerstörung.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

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Es sind kleine Geländegewinne, doch sie bringen die Angreifer in Bedrängnis: Nahe der bedrohten Millionenstadt Charkiw drängt das ukrainische Militär russische Truppen zurück. Westliche Beobachter sprechen von einem strategischen Umschwung.

Mehr als zwei Monate nach Beginn des Überfalls auf die Ukraine sieht sich die russische Armee im Kriegsgebiet mit neuen, bedrohlichen Aussichten konfrontiert. An der seit Wochen schwer umkämpften Front bei Charkiw haben die ukrainischen Verteidiger offenbar erfolgreiche Gegenangriffe gestartet. Bei Vorstößen in den östlichen Außenbezirken der Millionenmetropole konnten die Ukrainer übereinstimmenden Berichten zufolge unter anderem die Ortschaft Staryj Saltiw zurückerobern und bereits seit zwei Tagen halten.

Der Ort liegt an einem Stausee rund 40 Kilometer östlich des Charkiwer Stadtzentrums und zählte vor dem Krieg nicht viel mehr als 3000 Einwohner. Für die Verteidigung von Charkiw ist Staryj Saltiw dennoch von größerer Bedeutung: Durch die Ansiedlung verläuft eine der Fernstraßen, die die zweitgrößte Stadt der Ukraine mit Russland verbinden.

Für die in Charkiw verbliebenen Einwohner bringen die Geländegewinne spürbare Erleichterungen. Durch die Verschiebung der Frontlinie könnte die Großstadt bald aus dem Radius russischer Geschütze rücken. Die Artilleriestellungen der Angreifer müssen weiter ins Hinterland verlegt werden. Zudem kontrollieren die ukrainischen Verteidiger mit der Einnahme von Staryj Saltiw nun auch wieder einen der wenigen Flussübergänge in der Region.

"Der russische Feind setzt seinen umfassenden bewaffneten Angriff gegen die Ukraine fort", teilte der ukainische Generalstab dazu nur knapp mit. "Sie versuchen, verloren gegangene Positionen bei Charkiw zurückzuerobern." Auch bei Staryj Saltiw hätten russische Kräfte einen "erfolglosen Versuch" unternommen, erneut anzugreifen.

Das in Washington ansässige militärstrategische Forschungsinstitut ISW bestätigt die Angaben. Gestützt auf die Auswertung von Satellitenbildern und Informationen aus Geheimdienstkreisen ist mit Blick auf das Vorgehen des ukrainischen Militärs von einem "Umschwung" hin zu "Angriffsoperationen" die Rede. US-Beobachter halten es für möglich, dass die Ukrainer ihre "andauernden Gegenangriffe ausbauen" und somit die russische Offensive Richtung Isjum zurückschlagen könnten.

Bei Isjum haben die russischen Militärplaner starke Kräfte konzentriert, um von dort aus den Angriff Richtung Süden voranzutreiben. In der Region wird seit Tagen heftig gekämpft. Trotz intensiver Anstrengungen und massiver Bombardements ukrainischer Stellungen kommen die russischen Panzerkolonnen bei ihrem Versuch, die erweiterte Donbass-Region einzukesseln, bisher nur langsam voran.

Militärische Erfolge der Ukrainer bei Charkiw könnten die russische Isjum-Offensive bald in der Flanke bedrohen. Das Vorrücken der Ukrainer zwingt das russische Militär nach Einschätzung westlicher Experten schon jetzt dazu, kampffähige Einheiten aus ihren bisherigen Einsatzgebieten abzuziehen, um sie im Großraum Charkiw zur Abwehr weiterer Vorstöße neu aufzustellen. Auch an den übrigen Gefechtsschauplätzen drohen die russischen Anstrengungen in brutalen, aber weitgehend erfolglosen Kämpfen zu erlahmen.

Unterdessen rückt für die Militärplaner im Kreml ein bedeutsames Datum immer näher: Am kommenden Montag, am 9. Mai, sollen in Moskau zum "Tag des Sieges" die jährlichen Feierlichkeiten zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs stattfinden. Neue militärische Rückschläge in einem von Russland geführten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine passen der russischen Staatspropaganda schlecht ins Bild.

Quelle: ntv.de

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