Politik

"Nicht das Amerika, das ich kenne" US-Redaktion für Clinton-Votum bedroht

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Nach der Wahlempfehlung für Hillary Clinton erhält die US-Zeitung "Arizona Republic" zahlreiche Drohungen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Traditionell zählt der US-Bundesstaat Arizona zu den Hochburgen der Republikaner. Das scheint sich nun zu ändern. Nach dem Senator entzieht die größte Zeitung des Landes Donald Trump die Unterstützung. In der Redaktion geht nun eine Morddrohung ein.

Seit 126 Jahren gibt es die "Arizona Republic". Doch noch nie hat sich die US-amerikanische Zeitung für einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen. Bis jetzt. Vor einigen Tagen brach das Blatt mit dieser Tradition und erklärte seine Unterstützung für die Demokratin Hillary Clinton. Seitdem hat die Redaktion mehrere wütende Anrufe und Kündigungsschreiben erhalten. Nun ist dort auch eine Morddrohung eingegangen.

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"Wir werden bedroht", sagte Chefredakteurin Mi-Ai Parrish dem Portal "CNN Money" in einem Interview. "Das ist nicht das Amerika, das ich kenne. Es ist nicht die Demokratie, die ich liebe." In einer Stellungnahme schildert Parrish einen Drohanruf, in dem der anonyme Anrufer an den Fall eines ermordeten "Republic"-Journalisten erinnerte. Demnach habe der Anrufer "gedroht, dass weitere unserer Reporter wegen der Unterstützungserklärung in die Luft gejagt würden". Parrish bezeichnete den Anruf als "entsetzlich".

Am 13. Oktober hatte sich die "Arizona Republic" zugunsten Hillary Clintons positioniert. In einem Meinungsartikel wurde der konservative Präsidentschaftskandidat Donald Trump als "nicht konservativ" und "nicht qualifiziert" bezeichnet. "Trumps Unfähigkeit sich zu beherrschen, stellt eine echte Gefahr für unsere nationale Sicherheit dar", heißt es weiter. Zwar habe Clinton "Mängel". Dennoch sei sie dem Blatt zufolge "die bessere Wahl": "Clinton hat das Temperament und die Erfahrung, Präsidentin zu werden. Donald Trump nicht."

Es ist das erste Mal seit der Gründung im Jahr 1890, dass die Zeitung keine Wahlempfehlung für einen Republikaner abgibt. "Wir haben unsere Entscheidung mit Bedacht getroffen", schreibt Parrish. "Wir wussten, dass sie vielen nicht gefallen würde." Dass es nun allerdings eine Morddrohung gibt, sei "äußerst bedenklich".

Republikaner wenden sich ab

Die "Arizona Republic" ist nicht die einzige traditionsreiche konservative Zeitung, die sich öffentlich gegen Trump stellt. So hat unter anderem der "Cincinnati Enquirer" aus dem US-Bundesstaat Ohio erstmals seit 100 Jahren seine Unterstützung für die demokratische Partei verkündet. Die texanische "Dallas Morning News" unterstützt ebenfalls die Demokraten - zum ersten Mal seit 1940.

Auch in seiner Partei wenden sich immer mehr Personen von Trump ab. Prominentestes Beispiel ist Paul Ryan. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses hatte nach Bekanntwerden eines Skandalvideos angekündigt, Trump nicht mehr zu verteidigen und nicht mehr mit ihm aufzutreten. Auch Arizonas Senator John McCain entzog Trump die Unterstützung. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner erklärte, dass er bei der Wahl im November den Namen eines Republikaners auf den Stimmzettel schreiben wolle, der für das Amt qualifiziert sei.

Quelle: ntv.de, cri/dpa