Politik

Wer wird hier belogen?US-Regierung verschätzte sich mit Iran-Krieg offenbar gravierend

11.03.2026, 21:57 Uhr
imageVon Roland Peters, New York
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US-Präsident Donald Trump: Wie lange führt er den Krieg gegen den Iran noch weiter? (Foto: AP)

Das Weiße Haus hat die möglichen Folgen iranischer Vergeltungsmaßnahmen laut einem US-Medienbericht auch intern heruntergespielt. Und muss in seinem Krieg nun improvisieren.

Angesichts des Ziel-Zickzacks der US-Regierung im Krieg gegen den Iran zeichnet sich eine entscheidende Grundfrage ab: Wer wurde oder wird hier belogen? Die Öffentlichkeit oder der Kongress?

Öffentlich sagten Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth wiederholt, es gehe darum, dass die Islamische Republik nie Atomwaffen entwickeln kann und gegen die theokratische Regierung gebombt wird, um einen Regime Change zu ermöglichen. Intern werden laut Demokraten im Kongress andere Ziele kommuniziert: Die Hunderte Kilo angereicherten Urans sollten gar nicht gesichert werden und das Pentagon werde einfach weiterbomben, bis hoffentlich ein US-höriges Staatsoberhaupt an der Macht ist, so Senator Chris Murphy. In der Geschichte seiner Kriege haben die Vereinigten Staaten noch nie einen Regime Change nur aus der Luft erzwingen können, es waren immer auch Bodentruppen beteiligt.

"Boots on the ground" wären laut Senator Blumenthal anscheinend notwendig, sagte er, und meinte, er sei angesichts der Fülle und Bedeutung offener Fragen so wütend wie nie zuvor in seinen 15 Jahren im Kongress aus einem Briefing herausgekommen. Die Planlosigkeit des Weißen Hauses, von der Regierungsmitarbeiter kurz nach Kriegsbeginn berichtet hatten, setzt sich offenbar fort.

"Nur kurz nach oben"

US-Präsident Donald Trump, seine Minister und manche Berater hätten die Risiken völlig unterschätzt, schreibt die "New York Times" auf Basis weiterer anonymer Quellen in der Regierung. Sie teilten die Ansicht von Energieminister Chris Wright: Der hatte zehn Tage vor dem Beginn der Luftschläge gesagt, er sei nicht besorgt, dass ein Krieg gegen den Iran die Ölversorgung im Nahen Osten oder die weltweiten Energiemärkte stören würde. Dies leitete er aus den geringen Folgen des Zwölftage-Kriegs im vergangenen Juni ab: "Ölpreise gingen kurz nach oben und dann wieder nach unten."

Die Berater des Weißen Hauses waren sich laut "New York Times" uneinig, welche Folgen der Krieg haben würde. Manche hielten aggressive Vergeltung des Iran für möglich, da er sich in seiner Existenz bedroht sehen würde, andere gingen davon aus, dass sich angesichts der militärischen Übermacht die Pragmatiker in Teheran durchsetzen würden. Trump zeigte sich demnach überzeugt, dass Ölpreise kurz steigen würden, es aber wichtiger sei, die iranische Führung auszuschalten. Er habe Energieminister Wright und Finanzminister Scott Bessent beauftragt, an Maßnahmen gegen mögliche Preisspitzen zu arbeiten.

Doch der aktuelle Konflikt ist für den Iran existenziell, entsprechend führt die Islamische Republik diesmal seine Gegenangriffe mit Raketen auf Städte umliegender Staaten und Israel; sie droht, Öltanker in der Seestraße von Hormus zu beschießen, weshalb der dortige Schiffsverkehr zum Erliegen kam. Die Ölpreise sind nach oben geschossen, und Autonutzer in den USA zahlen merklich mehr an der Tankstelle. Nun müsse die US-Regierung improvisieren, schlussfolgert die Zeitung; Botschaftspersonal werde abgezogen, das Weiße Haus wisse derzeit nicht, wie es die Straße von Hormus sichern könne, sagte Senator Murphy.

Druckmittel Öl

Trump behauptet, Öl aus Venezuela könne dabei helfen, die Teuerung zu dämpfen. Der Rohstoff aus dem südamerikanischen Land ist hauptsächlich Schweröl, das nur bestimmte, dafür ausgerüstete Raffinerien verarbeiten können. Die Produktionskosten sind deshalb höher als bei Öl aus dem Nahen Osten. Durch die Passage von Hormus wird vor allem saudi-arabisches Öl transportiert. Dort wird hauptsächlich leichtes Öl gefördert.

Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, meinte, die Regierung habe vor Ausbruch des Krieges "einen guten Matchplan gehabt". Die Ölpreise würden nach Kriegsende wieder sinken, es sei wichtiger, "die Terroristen auszulöschen". Aber was bedeutet das? Solange das Ziel nicht eindeutig definiert ist, fehlt ein klarer Weg dorthin. Zumindest Hegseth und Rubio äußern sich seit Montag ähnlich, wollen demnach die Raketenabschussvorrichtungen im Iran zerstören, seine Raketenfabriken sowie Marine.

Hören die USA also bald auf zu bomben und erklären sich zum Sieger, obwohl zuvor öffentlich von einer hörigen neuen Regierung statt der Mullahs und "niemals iranische Atomwaffen" die Rede war? Falls nicht: Machen sie gemeinsam mit Israel so lange weiter, bis ein für sie genehmer Regime Change in Teheran stattgefunden hat? Schicken sie am Ende gar Bodentruppen, um dies zu erzwingen oder das angereicherte Uran herauszuholen?

Quelle: ntv.de

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