Politik

"Destabilisierendes Vorgehen" USA: Russland sendet Kampfjets nach Libyen

132620677.jpg

Dem Vorwurf nach wurden die Jets in Syrien überstrichen, "um ihre russische Herkunft zu verschleiern".

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit einem Jahr führen die Truppen des libyschen Generals Haftar eine Offensive gegen die von den Vereinten Nationen unterstützte Einheitsregierung in Tripolis. Russland streitet eine aktive Einmischung in dem Konflikt ab - doch das US-Militär wirft Putin nun vor, den Aufständischen Kampfjets zur Verfügung zu stellen.

Das Afrika-Kommando des US-Militärs (Africom) wirft Russland vor, Kampfjets nach Libyen geschickt zu haben, um dort die Truppen des aufständischen Generals Chalifa Haftar gegen die international anerkannte Regierung zu unterstützen. "Zu lange hat Russland das gesamte Ausmaß seiner Beteiligung im Libyenkonflikt dementiert", sagte der Kommandant des US-Afrika-Kommandos, Stephen Townsend. Russland versuche, seinen militärischen Einfluss in Afrika mithilfe staatlich unterstützter Söldnergruppen auszubauen.

Das Afrika-Kommando veröffentlichte Bilder der libyschen Luftwaffenbasis Al-Dschufra vom 19. Mai dieses Jahres. Darauf seien mehrere MiG-29-Kampfjets zu sehen. Weder die sogenannte Libysche Nationalarmee (LNA) noch private Militärfirmen könnten solche Flugzeuge bewaffnen, bedienen und unterhalten, hieß es in der Mitteilung des US-Militärs.

Die Kampfjets sollen wahrscheinlich die russische Söldnergruppe Wagner zur "engen Unterstützung aus der Luft" sowie mit "Offensivangriffen" unterstützen, die auf der Seite des aufständischen Generals Haftar kämpft, vermutet Africom. Sie hätten auf dem Weg von Russland nach Libyen einen Zwischenstopp in Syrien eingelegt, wo sie "überstrichen wurden, um ihre russische Herkunft zu verschleiern" und um Russland die Möglichkeit zu geben, "sein boshaftes Handeln plausibel zurückzuweisen".

Das russische Vorgehen habe den Libyen-Konflikt verlängert und mehr Todesfälle und menschliches Leid auf beiden Seiten verursacht. Russland sei nicht daran interessiert, was am besten für das libysche Volk sei, sondern wolle nur eigene strategische Ziele erreichen. "Russlands destabilisierendes Vorgehen in Libyen wird die regionale Instabilität verschärfen, welche die Flüchtlingskrise für Europa angetrieben hat", warnten die US-Streitkräfte.

Putin streitet Verwicklung mit Söldnern ab

Ein Untersuchungsbericht von UN-Experten hatte Anfang Mai den Einsatz von Söldnern der Gruppe Wagner bei den Kämpfen in Libyen bestätigt. Moskau weist jede Verantwortung für den Einsatz der Söldner zurück, doch wird der Gruppe eine Nähe zu Präsident Wladimir Putin nachgesagt. Der hatte immer wieder betont, dass Söldner aller möglichen Staaten in Libyen im Einsatz seien.

Haftars Truppen führen seit mehr als einem Jahr eine Offensive gegen die von den Vereinten Nationen unterstützte Einheitsregierung in Tripolis. In den Konflikt sind neben Russland auch andere ausländische Staaten verwickelt: Die Einheitsregierung wird von Katar und der Türkei unterstützt, die Haftar-Truppen neben Russland von den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nach mehreren schweren Rückschlägen im Kampf um die Hauptstadt Tripolis hatten Haftars Truppen neue Luftangriffe angekündigt. Seit mehr als einem Jahr versucht Haftar, mit seinen LNA-Einheiten Tripolis einzunehmen. Dort hat die international anerkannte Regierung ihren Sitz. Sie wird allerdings vom Parlament nicht anerkannt, das inzwischen seinen Sitz in den Osten Libyens verlegt hat und Haftar unterstützt.

Quelle: ntv.de, lri/dpa/AFP