Politik

Leak- und Hack-Verdacht im Kreml Wiederaufbauplan für den Donbass regt Russland auf

93242777.jpg

Sergej Kirijenko (r.) soll genau wissen, wie man Gehör bei Präsident Wladimir Putin findet.

(Foto: picture alliance / Alexei Nikolsky/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa)

Sergej Kirijenko gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Putin. Womöglich soll er den Donbass wiederaufbauen. In russischen Medien kursiert kurzzeitig ein angeblicher Plan Kirijenkos, die Russen dafür zahlen zu lassen. Aber ist das Schreiben echt?

In Russland sorgt ein geleakter Wiederaufbauplan für den Donbass für hitzige Diskussionen, obwohl dessen Echtheit nicht bestätigt und dieser möglicherweise das Werk von Hackern ist. Der Wiederaufbauplan war am Montag als Artikel für kurze Zeit auf der Webseite der regierungsnahen russischen Zeitung "Iswestija" zu sehen. Verfasst wurde er demnach von Sergej Kirijenko, dem stellvertretenden Leiter der russischen Präsidialverwaltung und einem einflussreichen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin.

In dem Artikel soll Kirijenko die russische Bevölkerung auf schmerzhafte Einschnitte vorbereiten, die der Wiederaufbau der Ostukraine nach sich ziehen werde. "Ja, es wird mehrere Billionen Rubel kosten", schreibt er angeblich. "Dieses Geld wird aus dem russischen Haushalt bereitgestellt - auch auf Kosten einer vorübergehenden Senkung des Lebensstandards unseres Landes."

Im russischsprachigen Netz "tobte" daraufhin nach Angaben des Bayerischen Rundfunks eine rege Debatte. Beispielsweise wird hinterfragt, warum die Bevölkerung für Kosten aufkommen soll, die anscheinend durch die "militärische Spezialoperation" verursacht wurden. Auch fragen Nutzerinnen und Nutzer, ob nur ihr Lebensstandard sinken wird oder auch der von Kirijenko. Andere wiederum verspotten die Pläne schlicht als "Kinderüberraschung".

Zahlreiche Rechtschreibfehler

Allerdings nahm "Iswestija" den Artikel nach nur wenigen Minuten wieder offline. Die Zeitung selbst sprach von einem Hack. Die US-amerikanische Denkfabrik "Institute for the Study of War" zog dagegen Parallelen zu einem Vorfall, der sich kurz nach Kriegsbeginn ereignete hatte: Bereits Ende Februar hatte die russische Nachrichtenagentur RIA versehentlich einen Artikel veröffentlicht, in dem die Einnahme der Ukraine in der Vergangenheitsform erörtert wurde.

Mehr zum Thema

Das unabhängige russische Exilmedium Medusa allerdings hegt Zweifel an der Echtheit der angeblichen Pläne. Die Kreml-kritische Plattform weist wie der BBC-Redakteur Andrei Sacharow auf zahlreiche Rechtschreibfehler in dem Artikel hin. Sacharow zufolge wurde der Beitrag auch zweimal im Abstand von vierzig Minuten veröffentlicht. Der Russlandfachmann vermutet, dass es sich bei der Veröffentlichung "höchstwahrscheinlich um einen Hack von anonymer Seite" handele.

Laut Bayerischem Rundfunk könnte ein Machtkampf im Kreml der Grund für die Veröffentlichung sein. Kirijenko gilt als möglicher Nachfolger Putins, der laut Medusa damit beauftragt wurde, aus dem Donbass einen neuen föderalen Distrikt der Russischen Föderation zu formen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 14. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, chr

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen