Politik

Nachschublinie in Gefahr Niederlagen bei Charkiw gefährden Moskaus Donbass-Pläne

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Ukrainische Soldaten in der Region Charkiw.

(Foto: REUTERS)

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In der Region Charkiw stoßen ukrainische Einheiten weiter Richtung russische Grenze vor. Für Moskau könnten die Gebietsverluste zu einem ernsten Problem werden. Denn in der Region liegt eine wichtige Nachschublinie, die der Kreml für seine Donbass-Offensive nutzt.

Nach Wochen in der Defensive gehen ukrainische Verbände seit einigen Tagen im Raum Charkiw zu Gegenangriffen über. Offenbar mit Erfolg. Am Morgen meldete Kiew die Rückeroberung der Ortschaften Tscherkassy Tyschky, Ruski Tyschky, Rubischne und Bairak. Nach Angaben des US-Instituts für Kriegsforschung ISW stoßen Kiews Truppen von der kürzlich befreiten Ortschaft Staryj Saltiw weiter nach Norden Richtung Russlands Grenze vor. Berichte, wonach ukrainische Verbände nur noch zehn Kilometer vom russischen Staatsgebiet entfernt sind, konnten die Militärexperten aber bislang nicht bestätigen.

Für Charkiws verbliebene Einwohner bringen die Geländegewinne spürbare Erleichterungen. Durch die Verschiebung der Frontlinie rückt die Großstadt immer weiter aus dem Radius russischer Geschütze. Denn die russischen Artilleriestellungen müssen weiter ins Hinterland verlegt werden. Zudem kontrollieren die ukrainischen Verteidiger mit Staryj Saltiw nun auch wieder einen der wenigen Flussübergänge in der Region. Die Siedlung ist auch noch aus einem anderen Grund strategisch wichtig. Durch sie verläuft eine der Fernstraßen, die die zweitgrößte Stadt der Ukraine mit Russland verbinden.

Die Erfolge bei Charkiw gefährden auch die russische Isjum-Offensive. Schon jetzt muss Moskau Material und Ressourcen nach Norden verlegen, die Moskau eigentlich für den Zangenangriff im Donbass benötigt. Gestern meldete der ukrainische Generalstab, dass der Kreml 19 taktische Bataillone in der russischen Region Belgorod versammelt, um die Gegenangriffe zu stoppen. Belgorod liegt etwa 80 Kilometer von Charkiw entfernt.

Doch noch ein weiterer Punkt dürfte die Planer in Moskau nervös machen. Kiews Truppen kommen der ukrainischen Grenzstadt Woltschansk, die sich in russischer Hand befindet, immer näher. Durch die Stadt verläuft eine wichtige Eisenbahnstrecke, auf der Nachschub von Russland ins südliche gelegene Isjum transportiert wird. Eine Unterbrechung dieser Versorgungslinie wäre für Moskau ein schwerer Schlag.

Der von Isjum ausgehende Zangenangriff der russischen Streitkräfte stockt schon länger. Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Jahren ein tief gestaffeltes Verteidigungsnetz in der Region errichtet, was die Angreifer vor große Probleme stellt. Eine Analyse des österreichischen Bundesheeres geht zudem davon aus, dass die russischen Kräfte in dem Frontbereich für eine erfolgreiche Offensive viel zu schwach sind.

Quelle: ntv.de

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