Politik

Parallelen zu 1943 Warum der russische Zangenangriff im Donbass stockt

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Russischer Panzer in der Region Donezk.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Mit einer Kesselschlacht will Russland ukrainische Einheiten im Donbass vernichten. Doch der Vormarsch der Kreml-Verbände kommt aus mehreren Gründen nur schleppend voran. Die Gefechte bei der Stadt Isjum wecken Erinnerungen an eine Schlacht im Zweiten Weltkrieg, die ganz in der Nähe stattfand.

Seit Mitte April intensivieren die russischen Streitkräfte ihre Angriffe im Donbass und in der Südukraine. Doch auch nach drei Wochen schwerer Gefechte scheint die zweite Phase der russischen Invasion nicht so richtig in Schwung zu kommen. Im Gegenteil: An der umkämpften Front bei Charkiw haben die ukrainischen Verteidiger erfolgreiche Gegenangriffe gestartet.

Die Vorstöße der ukrainischen Armee bedrohen auch die russische Zangenbewegung in der Region Donezk. Bei Isjum haben die russischen Militärplaner in den vergangenen Tagen starke Kräfte konzentriert, um von dort aus den Angriff Richtung Süden voranzutreiben. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs versucht Moskau mit einer Attacke auf die Städte Slowjansk und Kramatorsk, ukrainische Kräfte im vorgeschobenen Frontbogen weiter östlich abzuschneiden.

Doch trotz intensiver Anstrengungen kommen die russischen Panzerkolonnen bisher nur langsam voran. Dies mag auch am Gelände liegen. Isjum ist umgeben von zwei größeren Waldgebieten, die für Militärfahrzeuge schwierig zu passieren sind. Zudem engt der um die Stadt laufende Fluss Siwerskyj Donez den Angriffskorridor nach Süden ein. Erschwerend kommt hinzu, dass die ukrainischen Streitkräfte in der Region tief gestaffelte Verteidigungslinien errichtet haben.

Eine veröffentlichte Analyse des österreichischen Bundesheeres nennt aber noch weitere Faktoren. Demnach reichen die Kräfte der russischen Seite in dem Frontabschnitt für eine erfolgreiche Offensive nicht aus. Die Militärexperten beziffern die ukrainischen Bataillone im Kampfraum auf 48, wohingegen die Zahl der Verbände Moskaus auf lediglich 68 Bataillonen geschätzt wird. Notwendig sei laut gängiger Theorie aber ein Verhältnis von 1:4, heißt es aus Wien.

Während sich die russische Seite bislang auf massive Bombardements verlegt, um Angriffe der Bodenverbände zu ermöglichen, konzentrieren sich die Ukrainer laut der Analyse auf die Taktik der mobilen Verteidigung. Sobald das Artilleriefeuer einsetzt, ziehen sich die ukrainischen Soldaten in ihre Unterstände zurück oder weichen in den Rückraum aus, um die vorderen Linien erst kurz nach dem Artillerieschlag wieder zu besetzen. Durchgebrochene russische Einheiten werden dann mit in Reserve gehaltenen Panzerverbänden bekämpft, die hinter der Kampflinie stationiert sind.

Damit zeigen die aktuellen Gefechte Parallelen zur Schlacht von Kursk im Zweiten Weltkrieg, die sich ebenfalls in der Region abspielte. Im Sommer 1943 versuchte die Wehrmacht mit dem "Unternehmen Zitadelle" den sowjetischen Frontvorbogen nördlich von Charkiw einzukesseln. Damals war Moskau durch Geheimdienstinformationen genau über die deutschen Angriffspläne informiert, wodurch die Rote Armee in monatelanger Arbeit tiefe Verteidigungsstellungen an den Flanken anlegen konnte. Die Offensive der Deutschen scheiterte am Ende nach nur wenigen Tagen.

Quelle: ntv.de

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