Politik

Teilmobilisierung in Russland Wen Moskau jetzt zu den Waffen ruft

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Russische Soldaten bei einem Manöver.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ordnet der Kreml eine Mobilmachung an. Laut dem Verteidigungsministerium werden 300.000 Reservisten eingezogen. Auf Studenten und Wehrdienstleistende wolle man aber verzichten, heißt es in Moskau.

Russland hat die erste Teilmobilmachung des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg angeordnet. "Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht ist, werden wir alle verfügbaren Mittel einsetzen, um unser Volk zu schützen - das ist kein Bluff", sagte Präsident Wladimir Putin am Morgen in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Das Dekret für die Teilmobilmachung von Russen im wehrfähigen Alter sei unterzeichnet, sagte der russische Präsident. Die Einberufung werde noch am heutigen Mittwoch beginnen.

Er unterstütze den Vorschlag des Verteidigungsministeriums, Reservisten, die bereits gedient hätten und über "einschlägige Erfahrungen verfügen, zu mobilisieren", sagte Putin. Insgesamt verfüge Russland über zwei Millionen Reservisten. Verteidigungsminister Sergej Schoigu sprach in einer Erklärung, die nach Putins Ankündigung ausgestrahlt wurde, von 300.000 Reservisten, die zu den Waffen gerufen werden sollen. Diese seien nur ein Bruchteil der zur Verfügung stehenden Kräfte. Insgesamt könnten potenziell 25 Millionen Russen mobilisiert werden, sagte Schoigu.

Auf Wehrdienstleistende wolle man aber verzichten, erklärt Schoigu. Man setze auf Personen, die zuvor gedient haben und über Kampferfahrung sowie eine militärische Spezialisierung verfügen. "Das sind keine Leute, die noch nie etwas über die Armee gesehen oder gehört haben", sagte er. "Wir sprechen nicht über die Mobilisierung irgendwelcher Studenten", fügte er an. "Sie können ruhig weiter zum Unterricht gehen."

Die Eingezogenen würden den gleichen Status und die gleiche Bezahlung bekommen wie die jetzigen Vertragssoldaten und auch vor dem Fronteinsatz noch einmal militärisch geschult, so Putin. Die Reservisten sollen laut Schoigu die Gebiete entlang und hinter der "über 1000 Kilometer langen Frontlinie" im Süden und Osten der Ukraine sichern.

Wegen der hohen Verluste hat Russland in der Ukraine mit erheblichen Personalproblemen zu kämpfen. Der Kreml setzte in den vergangenen Monaten daher verstärkt auf Freiwillige. Die russischen Streitkräfte rekrutieren einer Analyse des Institute for the Study of War (ISW) zufolge auch Strafgefangene, setzen Elemente der russischen Sicherheitsdienste ein und mobilisieren verdeckt Männer aus den teilweise besetzten Gebieten Donezk und Luhansk.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 21. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jpe/rts/dpa/AFP

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