Politik

Reguläre Truppen mit Bedenken? Ukraine: Wagner-Söldner verminen AKW Saporischschja

Seit Tagen liefern sich ukrainische und russische Truppen heftige Kämpfe um das besetzte Kernkraftwerk Saporischschja. Für besondere Gefahr sorgen Minen, die Russland auf dem Gelände verlegt haben soll. Eine Aufgabe, die reguläre Soldaten anscheinend nicht ausführen können oder wollen.

Auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja sind ukrainischen Angaben zufolge Söldner der Wagner-Truppe im Einsatz. Demnach wurden sie damit beauftragt, das Gelände zu verminen. Das erklärt ein Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR in einem Interview mit dem ukrainischen Nachrichtenportal Apostroph.

Als Grund dafür, dass Söldner mit dieser Aufgabe betraut wurden und nicht die russische Armee, gibt der Sprecher zwei Möglichkeiten an: Die russischen Truppen seien immer noch eine reguläre Struktur, sagt er. "Einigen Truppen werden solche Aufgaben einfach nicht zugetraut. Andere Einheiten lehnen ab oder verlangen, dass sie den Befehl schriftlich erhalten. Aber die russische Armee gibt keine Befehle für Terrorakte schriftlich heraus. Deshalb brauchen sie die Terrorgruppe Wagner."

Dem GUR-Sprecher zufolge hätten die Mitglieder der Söldner-Gruppe keine Wahl, solche Aufträge auszuschlagen. "Sie können tun, was Ihnen gesagt wird, oder zurück ins Gefängnis gehen und eine lange Haftstrafe verbüßen", erklärt er. Zuletzt hatte das unabhängige Medienprojekt Mediazona berichtet, dass der mutmaßliche Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, derzeit höchstpersönlich Mörder und Räuber in Straflagern als Verstärkung für seine Söldnertruppe anwirbt.

Politik der verbrannten Erde

Mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt ist das AKW Saporischschja in der gleichnamigen Oblast das größte Atomkraftwerk Europas. Russische Truppen hatten die Anlage Anfang März besetzt. Seitdem wird das Kernkraftwerk von ukrainischem Personal weiterbetrieben, aber von russischen Nuklearspezialisten überwacht. In den vergangenen Tagen tobten zum zweiten in Mal in diesem Krieg heftige Kämpfe um das Gelände.

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Die Ukraine wirft den russischen Truppen vor, das AKW als Festung und Basis für Angriffe auf ukrainisches Gebiet zu nutzen. Anfang der Woche hatten ukrainische Behörden erstmals berichtet, dass Russland auch Sprengstoff in dem Kernkraftwerk verlegt. Der russische Offizier, der die Operation beaufsichtigt, soll demnach eine Politik der verbrannten Erde verfolgen: Entweder das AKW gehöre Russland oder niemandem, soll Generalmajor Walerij Wassiljew vor seinen Soldaten gesagt haben.

Die internationale Gemeinschaft ist alarmiert. UN-Generalsekretär António Guterres warnte angesichts der schweren Kämpfe vor einer atomaren Katastrophe: "Bedauerlicherweise gab es in den letzten Tagen keine Deeskalation, sondern Berichte über weitere zutiefst besorgniserregende Vorfälle. Wenn sich diese fortsetzen, könnte dies zu einer Katastrophe führen." An beide Kriegsparteien appellierte er, die militärischen Aktivitäten sofort einzustellen.

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 13. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, chr

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