Politik

Söldner für die Wagner-Truppe Putin-Vertrauter wirbt offenbar um "Mörder und Räuber"

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Prigoschin ist in vielen Branchen aktiv.

(Foto: AP)

Jewgeni Prigoschin weiß, wie es in Gefängnissen zugeht. Nun begibt sich der Putin-Vertraute einem Bericht zufolge persönlich in Straflager, um Söldner anzuwerben: "Meine Leute gehen in afrikanische Länder und lassen innerhalb von zwei Tagen nichts am Leben. Und jetzt machen sie es mit ihren Feinden in der Ukraine genauso".

Ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Jewgeni Prigoschin, scheint höchstpersönlich in Straflagern um Söldner für seine Wagner-Truppe zu werben. Dies berichtet das von Pussy-Riot-Aktivistinnen gegründete unabhängige Medienprojekt Mediazona.

Demnach erklärten mehrere Gefangene aus den Regionen Jaroslawl und Tula, dass ihre Strafkolonien von einem kleinen glatzköpfigen Mann besucht worden seien, den sie als Prigoschin - auch bekannt als "Putins Koch" - erkannt hätten. In den Strafkolonien bot er nun offenbar den eigens zusammengerufenen Lagerinsassen Freiheit und Geld an, sollten sie am Krieg gegen die Ukraine teilnehmen. Der Dritte Weltkrieg sei im Gange und es sei möglich, sich auf der Seite Russlands daran zu beteiligen.

"Meine Leute gehen in afrikanische Länder und lassen innerhalb von zwei Tagen nichts am Leben. Und jetzt machen sie es mit ihren Feinden in der Ukraine genauso", soll Prigoschin dabei vor den Häftlingen mit den zweifelhaften Vorzügen seiner Truppe geworben haben. Dem Bericht zufolge ist die Wagner-Truppe vor allem "an Mördern und Räubern interessiert, bei Drogenabhängigen sind sie misstrauisch, dasselbe gilt für Vergewaltiger". Denjenigen, die das Angebot annähmen, seien 100.000 Rubel pro Monat, umgerechnet rund 1620 Euro, plus eine Prämie in gleicher Höhe versprochen worden. Für den Fall eines "würdigen" Todes erhalte die Familie 5 Millionen Rubel, rund 80.000 Euro.

Prigoschin selbst saß zu Sowjetzeiten wegen Raubs, Betrugs und Prostitution Minderjähriger für Jahre im Gefängnis, später wurde er Unternehmer, Chef einer berüchtigten Troll-Fabrik und Unterstützer der Söldnergruppe Wagner. Außerdem bewirtete er hohe Staatsgäste und den Präsidenten und wurde zu einer Art Proviantmeister der russischen Armee.

Neue Kämpfer schlechter ausgebildet

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Mitte Juli hatte bereits das britische Verteidigungsministerium berichtet, dass seine Söldnertruppe bei der Rekrutierung neuer Kämpfer auch auf verurteilte Kriminelle und zuvor abgelehnte Bewerber zurückgreife. Diese neuen Kämpfer würden nur sehr eingeschränkt ausgebildet, was die Schlagkraft der Truppe und damit ihren Wert als Unterstützung für das russische Militär vermutlich verringern werde.

Die britischen Experten gehen davon aus, dass die Wagner-Kämpfer bei der Invasion in der Ukraine zunehmend die Lücken füllen. So hätten sie beispielsweise bei der Einnahme der Städte Popasna und Lyssytschansk eine zentrale Rolle gespielt, aber offenbar auch schwere Verluste hinnehmen müssen.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 07. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ghö

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