Gestohlenes Getreide in Haifa?Streit zwischen Ukraine und Israel entbrannt

Die Ukraine und Israel sind Verbündete. Doch die Beziehung beider Länder wird auf eine Probe gestellt. Mit scharfen Worten kritisiert Kiew, dass in einem Hafen gestohlenes Getreide aus besetzten Gebieten angekommen sei. Die Reaktion der Gegenseite folgt prompt.
Die ukrainische Regierung hat den israelischen Botschafter aus Protest über eine Lieferung von Getreide einbestellt, das angeblich auf von Russland besetztem ukrainischem Gebiet angebaut wurde. Der israelische Botschafter sei zu einem Treffen am Morgen einbestellt worden, "um unsere Protestnote zu übergeben und geeignete Maßnahmen zu verlangen", erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bei X.
Kiew habe die israelische Regierung zuvor im April darüber informiert, dass eine Lieferung, die im israelischen Hafen Haifa eingetroffen sei, Getreide aus von Russland besetztem ukrainischem Gebiet enthalten habe, erklärte Sybiha. "Es ist schwer nachzuvollziehen, dass Israel auf die berechtigte Bitte der Ukraine in Bezug auf das vorherige Schiff, das gestohlene Waren nach Haifa gebracht hat, nicht angemessen reagiert hat", erklärte der ukrainische Chefdiplomat. "Da nun ein weiteres solches Schiff in Haifa angekommen ist, warnen wir Israel erneut davor, das gestohlene Getreide anzunehmen und unseren Beziehungen zu schaden."
Der israelische Außenminister Gideon Saar reagierte ebenfalls auf X auf die Stellungnahme Sybihas. "Sehr geehrter Minister, diplomatische Beziehungen, insbesondere zwischen befreundeten Staaten, werden nicht auf Twitter oder in den Medien geführt", erklärte er unter Verwendung des früheren Namens des Onlinedienstes X. Die Ukraine habe für die Anschuldigungen keine Beweise vorgelegt. "Die Angelegenheit wird geprüft", erklärte Saar und fügte hinzu: "Israel ist ein Staat, der sich an die Rechtsstaatlichkeit hält."
Die EU hatte im Jahr 2024 erklärt, es gebe Belege dafür, dass Russland sich Getreide aus den "völkerrechtswidrig besetzten Gebieten der Ukraine in großem Umfang" aneigne und "als angeblich russische Produkte in seine Exportmärkte leitet".