Moskaus Verluste deutlich höherSelenskyj gibt seltenen Einblick in die Zahl getöteter ukrainischer Soldaten

Die Ukraine hat Zehntausende tote Soldaten durch den russischen Angriff zu beklagen. Die tatsächlichen Verluste dürften noch höher sein als die neuesten Angaben von Staatschef Selenskyj. Die Zahl der laut Experten getöteten und verwundeten Soldaten auf russischer Seite stellt jedoch alles in den Schatten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die offiziellen Verluste eigener Truppen seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp vier Jahren auf 55.000 getötete Soldaten beziffert. Darunter fielen auch Berufssoldaten und Mobilisierte, sagte er dem französischen Sender France2 in einem Interview. Hinzu komme eine große Zahl von Menschen, die vermisst würden, sagte der mit den Tränen kämpfende Staatschef.
Ein Bericht der in Washington ansässigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) geht bis Ende Januar allein für die Ukraine von 100.000 bis 140.000 toten ukrainischen Soldaten seit Kriegsbeginn aus. Hinzu kommen bis zu 500.000 Verwundete. Laut früheren ukrainischen Angaben kehren viele genesene Soldaten zurück in die Reihen der Streitkräfte.
Der britische Armeechef General Sir Roly Walker sagte laut dem Portal Forces News kürzlich auf einer Konferenz, die Ukrainer hätten eine Tötungsrate von etwa sieben zu eins im Vergleich zu Russland. Dem ukrainischen Armeechef Oleksandr Syrskyj zufolge ist es gelungen, die eigenen Personalverluste im Jahr 2025 um 13 Prozent zu reduzieren.
Vor einem Jahr hatte Selenskyj die Verluste der ukrainischen Streitkräfte in einem Interview des britischen Journalisten Piers Morgan auf mehr als 45.000 gefallene und 390.000 verletzte Soldaten seit Kriegsbeginn beziffert. Seinen neuen Aussagen nach zu folgern, wären damit innerhalb eines Jahres gut 9000 getötete Soldaten hinzugekommen. Allein beim Austausch der Leichen getöteter Soldaten erhielt die ukrainische Seite von Russland seit 2025 die sterblichen Überreste von mehr als 16.500 Gefallenen zurück.
Die Verluste auf der russischen Seite werden vom CSIS auf 1,2 Millionen Soldaten beziffert, davon 325.000 Tote. Das CSIS stützt sich bei den Zahlen nach eigenen Angaben auf Informationen des Militärs, der Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder. Die Ukraine selbst gibt die Zahl der toten und schwer verwundeten Soldaten auf russischer Seite mit knapp 1,25 Millionen an. Selbst Soldaten mit schwersten Verletzungen werden von Moskau teilweise erneut ins Schlachtfeld geschickt.
Russland interessieren Verluste nicht
Die Ukraine setzt im Kampf zur Abwehr der russischen Invasion wegen ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit auf den massiven Einsatz von Drohnen, die für 80 Prozent der eliminierten Ziele verantwortlich sein sollen. Auch unbemannte Systeme am Boden wie Roboter finden immer öfter den Weg in die Streitkräfte. Durch sie wird sich erhofft, seltener das Leben von Soldaten riskieren zu müssen.
Zudem geben die Ukrainer Gebiete auf, um bei zu hohem russischem Druck das Leben der Soldaten zu schützen und diese auf anderen Positionen zu verteilen. Andererseits finden sich auch immer wieder Stimmen, die eine "sowjetische Herangehensweise" von ukrainischen Kommandeuren kritisieren und ihnen vorwerfen, Soldaten nicht ausreichend zu schützen.
In den Reihen der Kreml-Streitkräfte ist der Umgang mit den eigenen Kämpfern deutlich sorgloser. Sturmangriffe auf ukrainische Stellungen - auch wenn diese wenig Aussichten auf Erfolg haben - sind an der Tagesordnung.
Während beide Kriegsparteien täglich gegnerische Verluste vermelden, legen sie höchst selten eigene Opferzahlen dar. Es wird als gesichert betrachtet, dass sowohl Russlands Führung als auch die der Ukraine eigene Verluste herunterspielen und jene in den Reihen des Gegners erhöhen. Andere Schätzungen decken sich nicht mit den offiziellen Zahlen aus Moskau und Kiew.