Politik

Gewalt an der Klagemauer Ultraorthodoxe greifen betende Frauen an

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Die "Frauen der Mauer".

(Foto: picture alliance / dpa)

Die jüdische Gruppe "Frauen der Mauer" in Jerusalem begeht den Weltfrauentag mit einem Gebet an der heiligsten Stätte des Judentums. Dafür, dass Frauen auch hier die gleichen Rechte wie Männer haben, setzten sich die Aktivistinnen seit 30 Jahren ein. Für viele Ultraorthodoxe ist das eine Provokation.

Tausende ultraorthodoxe Männer haben an der Jerusalemer Klagemauer eine Gruppe liberaler Jüdinnen angegriffen, die dort für gleiche Rechte kämpfen wollten. Die Gruppe "Frauen der Mauer" wurde nach eigenen Angaben während eines Gebets an einer der wichtigsten heiligen Stätten des Judentums von den vorwiegend jungen Strenggläubigen attackiert. Die israelische Polizei sprach von "Reibereien" und "Beschimpfungen", die rivalisierenden Gruppen seien getrennt worden. Ein 20-Jähriger wurde nach einem Angriff auf einen Polizisten festgenommen.

Die "Frauen der Klagemauer" fordern seit 30 Jahren gleichen Zugang für beide Geschlechter zu religiösen Ritualen an der Stätte. So sollen auch Frauen dort Gebete leiten, Gebetsschals tragen und Torah-Schriftrollen berühren dürfen. Damit zieht die Gruppe sich den Zorn strenggläubiger Juden zu, die an der Geschlechtertrennung an der Klagemauer festhalten wollen.

Nach jahrelangem Streit hatte Israel Anfang 2018 mit dem Bau eines gemeinsamen Gebetsbereiches für Frauen und Männer an der Klagemauer begonnen. Anfang 2016 hatte die Regierung beschlossen, dass neben den getrennten Bereichen auch ein gemeinsamer Gebetsbereich eingerichtet werden solle. Dort sollten alle die gleichen Gebetsrechte haben. Doch aufgrund des Drucks ultra-orthodoxer Koalitionspartner war die Vereinbarung längere Zeit auf Eis gelegt geworden.

Auf Video-Aufnahmen der Zeitung "Haaretz" war zu sehen, wie sich aufgebrachte ultraorthodoxen Männer mit schwarzen Hüten den Weg durch die Menge der Gläubigen zu den Frauen bahnten. Eine AFP-Fotografin berichtete von jungen ultraorthodoxen Frauen, die sich dem Angriff anschlossen. Sie waren laut "Haaretz" eigens von religiösen Schulen aus dem Umland nach Jerusalem gefahren worden. 

Sicherheitskräfte mussten die liberalen Aktivistinnen in Sicherheit bringen. Die Polizei erklärte, die Frauen seien an einen entlegeneren Abschnitt der Klagemauer weitergezogen, der für nicht-orthodoxe Gottesdienste reserviert ist.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP/dpa

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