Politik

Nusra-Front wieder auf dem Golan Uno-Blauhelme wehren Islamisten ab

328A3A003F5C1F05.jpg8910135770957539800.jpg

Gefährliche UN-Mission: Blauhelme patrouillieren auf den Golanhöhen.

(Foto: AP)

Nur wenige Stunden nach der Entführung von gut 40 UN-Soldaten kommt es erneut zu einem Zwischenfall auf den Golanhöhen. Dutzende Blauhelme werden von Islamisten eingekesselt - können die Angreifer aber offenbar einschüchtern.

Nach der Entführung von 43 UN-Soldaten auf den Golanhöhen haben sich dutzende schwerbewaffnete Blauhelmsoldaten syrischen Rebellen entgegengestellt. Insgesamt 75 philippinische Soldaten verteidigten zwei belagerte Posten in der UN-Zone zwischen Syrien und Israel, sagte Oberst Roberto Ancan vor Journalisten in Manila.

Die Soldaten wurden den Angaben zufolge von den Angreifern belagert, nachdem sie sich geweigert hatten, ihre Waffen niederzulegen. Seine Truppen seien gut ausgerüstet und ausgebildet, betonte Ancan. Sie seien darauf vorbereitet, mit solchen Situationen umzugehen. Die Soldaten würden das Risiko auf sich nehmen, um die internationale Stabilität und den Frieden zu sichern.

Bislang seien zwar keine Schüsse gefallen, die UN-Soldaten seien jedoch kampfbereit. Der philippinische Präsident Benigno Aquino nannte die Situation auf dem Golan "angespannt", bislang erscheine die Lage aber "stabil".

Angeblich syrischen Soldaten geholfen

43 UN-Soldaten von den Fidschi-Inseln waren am Donnerstag auf der syrischen Seite der Golanhöhen gefangen genommen worden. Die USA machten die islamistische Al-Nusra-Front für die Tat verantwortlich.

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden die Blauhelme gefangen genommen, weil sich syrische Soldaten bei Kämpfen mit Rebellen auf eine UN-Basis geflüchtet hatten. Ein Aktivist aus der Region berichtete unter Berufung auf die radikal-islamische Al-Nusra-Front, die UN-Blauhelme hätten den syrischen Soldaten Schutz gewährt und sie medizinisch versorgt. Syrische Rebellen hatten am Mittwoch die Region an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen von der syrischen Armee erobert.

Die entführten Soldaten gehören der UN-Beobachtertruppe für Truppenentflechtung (Undof) an, die eine 1974 zwischen Israel und Syrien geschlossene Waffenruhe überwacht. Zu der Undof-Mission gehören derzeit rund 1200 Soldaten aus sechs Ländern - Indien, Irland, den Niederlanden, Nepal, den Philippinen und den Fidschi-Inseln. Die westlichen zwei Drittel (1200 Quadratkilometer) des Golan wurden 1967 von Israel besetzt und 1981 annektiert, was die internationale Staatengemeinschaft nicht anerkennt. Die übrigen 510 Quadratkilometer blieben unter syrischer Kontrolle.

UN-Personal soll geschützt werden

Bundespräsident Joachim Gauck verurteilte die Entführung der UN-Soldaten. In einem Telegramm an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schrieb Gauck, der Angriff auf eine UN-Friedensmission sei eine "eklatante Verletzung des Völkerrechts". Er hoffe, dass die Soldaten zügig und unversehrt freigelassen würden, betonte Gauck nach Angaben des Präsidialamts. Die UN-Mission Undof beobachtet auf den Golanhöhen den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien.

Die Vereinten Nationen verpflichteten derweil alle Mitgliedsländer zum Schutz von humanitären Helfern und UN-Personal. Gleichzeitig fordert eine einstimmig vom Sicherheitsrat verabschiedete Resolution freien Zugang für Hilfsorganisationen zu Menschen in Not. Das von Großbritannien eingebrachte Papier wird schon seit mehreren Tagen beraten und ist keine direkte Reaktion auf die Festsetzung der Blauhelmsoldaten. Es richtet sich vor allem gegen Verbrechen an humanitären Helfern. "Allein in diesem Jahr wurden schon 79 Helfer getötet", sagte Großbritanniens UN-Botschafter Mark Lyall Grant.

Quelle: ntv.de, dsi/AFP/dpa