Politik

Yücel meldet sich aus Haft "Unterstützt unabhängige türkische Medien"

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Yücel, hier bei einem Fernsehauftritt, sagte seinen Anwälten im Gefängnis: "Dass mir illegalerweise keine Briefe und Postkarten zugestellt werden, ist natürlich kein Grund, mir nicht zu schreiben. Im Gegenteil."

(Foto: dpa)

Erstmals seit seiner Festnahme darf der Journalist Deniz Yücel Besuch von deutschen Diplomaten empfangen. Zuvor wendet er sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit.

Der inhaftierte Journalist Deniz Yücel ruft aus dem Gefängnis zum Kauf kritischer Zeitungen in der Türkei auf. "Ich habe eine Bitte: Eine der ersten Sachen, die ich in diesem Gefängnis gemacht habe, war, die Tageszeitungen 'Cumhuriyet', 'Birgün' und 'Evrensel' zu abonnieren", heißt es in einer Mitteilung, die Yücel seinen Anwälten diktiert hat. "Ich lade Sie dazu ein, ebenfalls diese Zeitungen oder eine der wenigen verbliebenen und in jeder Hinsicht unter Druck stehenden unabhängigen Medien zu unterstützen." Um für ein paar Euro einen konkreten Beitrag zur Pressefreiheit in der Türkei zu leisten, müsse man weder in der Türkei leben noch Türkisch sprechen.

Yücel ist Türkei-Korrespondent der "Welt". Vor knapp zwei Monaten Monaten wurde er wegen angeblicher Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Gülen-Bewegung sowie wegen angeblicher Volksverhetzung festgenommen. Yücel wird von Kritikern der Staatsführung rund um Präsident Recep Tayyip Erdogan dagegen als "Geisel" angesichts eines immer weiter aufgeheizten diplomatischen Klimas zwischen der Türkei und Europa beschrieben.

Kritik an Haftbedingungen

Nach einem kurzen Polizeigewahrsam sitzt Yücel nunmehr seit Wochen in Einzelhaft im Gefängniskomplex Silivri in Istanbul, der als "Internierungslager für Erdogan-Gegner" gilt. Dort ist es ihm nicht gestattet zu schreiben. Über seine Anwälte gelang es Yücel aber wiederholt, sich an die Öffentlichkeit zu wenden.

Eine weitere Gelegenheit dazu könnte sich auch heute im Laufe des Tages bieten. Erstmals seit seiner Festnahme gestatten die türkischen Behörden Yücel, deutsche Diplomaten zu empfangen. Der Korrespondent besitzt die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft. Deswegen hat er keinen verbrieften Anspruch auf derartige Besuche.

Yücels Chefredakteur bei der "Welt", Ulf Poschardt, sagte dem RBB-Inforadio, der Besuch sei auch aus psychologischer Sicht sehr wichtig. Yücel sei ein sehr kommunikativer Kollege. Auch aus seiner Mitteilung, die Yücel über seine Anwälte verbreitet hat, ist das Bedürfnis, trotz Einzelhaft mehr zu kommunizieren, herauszuhören. Und dazu eine Spitze bezogen auf seine Haftbedingungen. "Dass mir illegalerweise keine Briefe und Postkarten zugestellt werden, ist natürlich kein Grund, mir nicht zu schreiben. Im Gegenteil."

Quelle: n-tv.de, ieh

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