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Papst in Myanmar Vatikan räumt Protokollbruch ein

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Der Papst wird dafür kritisiert, nicht explizit auf den Rohingya-Konflikt einzugehen.

(Foto: picture alliance / Andrew Medich)

Der Papst-Besuch in Myanmar wird für den Vatikan zum Problem. Franziskus steht in der Kritik, den Rohingya-Konflikt nicht beim Namen zu nennen. Auch wenn die Reise nicht als "Flüchtlings-Reise" angelegt gewesen ist, geht sein Sprecher jetzt in die Offensive.

Der Vatikan hat die Zurückhaltung von Papst Franziskus bei seinem Myanmar-Besuch mit Blick auf die Krise der verfolgten Rohingya verteidigt. Die Warnung der katholischen Kirche vor Ort, nicht explizit auf den Konflikt um die muslimische Minderheit einzugehen und die Rohingya auch nicht beim Namen zu nennen, sei ernst genommen worden, sagte Papst-Sprecher Greg Burke in Rangun. "Man kann kritisieren, was gesagt wurde oder was nicht. Aber der Papst wird seine moralische Autorität über diese Frage nicht verlieren."

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Zum Auftakt der Reise traf Franziskus Militärchef Min Aung Hlaing.

(Foto: picture alliance / ---)

Gleichzeitig räumte der Papst-Sprecher einen Protokollbruch bei dem Besuch ein. Franziskus hatte zum Auftakt der Reise am Montag in Rangun zuerst Militärchef Min Aung Hlaing getroffen. Die Anfrage, das Treffen nach vorne zu verlegen, sei von Seiten des Militärs gekommen, sagte Burke. Erst die Regierungs- und Staatsvertreter zu treffen, "wäre auch aus Sicht des Protokolls sauberer gewesen". Myanmar litt jahrzehntelang unter Militärherrschaft, auch heute noch gelten Generäle als Strippenzieher.

Keine "Flüchtlings-Reise"

Die Reise wurde noch vor dem Gewaltausbruch im Bundesstaat Rakhine in Myanmar im August geplant. Augenzeugen berichteten von Brandschatzungen, Vergewaltigungen und brutaler Gewalt des Militärs. Hunderttausende Rohingya sind seitdem nach Bangladesch geflohen, wohin der Papst am Donnerstag weiterreist. Die Vereinten Nationen sprechen von "ethnischer Säuberung" - was die Behörden in Myanmar anders sehen. Auch Vertreter der Bischofskonferenz des Landes legten nahe, dass Berichte über ethnische Säuberungen in Rakhine nicht vertrauenswürdig seien.

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Vor etwa 150.000 Menschen appellierte Franziskus an die Gläubigen, auf Gewalt nicht mit Rache zu antworten.

(Foto: picture alliance / Gemunu Amaras)

Die Reise sei nicht als "Flüchtlings-Reise" angelegt gewesen, wie zum Beispiel der Besuch des Katholiken-Oberhauptes im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, sagte Burke. Vielmehr handele es sich um eine diplomatische Reise, um dem Land "Einheit" zu bringen. Menschenrechtsorganisationen hatten den Papst kritisiert, dass er das Wort "Rohingya" nicht erwähnt und die Gewalt nicht klar benannt hat. In Myanmar wird das Wort nicht benutzt, weil Rohingya dort als "Eindringlinge" aus Bangladesch und als keine eigene Ethnie angesehen werden. Sie haben somit keinerlei Rechte. Kritisiert wird auch, dass der Papst kein Rohingya-Flüchtlingslager laut offiziellem Programm besuchen wird.

Zu hohe Erwartungen

Der Vatikan-Sprecher ließ durchblicken, dass der Papst den Konflikt in privaten Treffen und hinter verschlossenen Türen direkt beim Namen genannt habe. Zudem hätten die Menschen zu hohe Erwartungen: "Ich weiß und ich bin glücklich, dass die Leute denken, der Papst ist mächtig. Er ist es aber nicht." Er hätte zwar eine moralische Autorität, aber nicht die Macht, die Konflikte der Welt zu lösen.

Der Papst hatte die buddhistische Glaubensgemeinschaft in Myanmar zu Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen. Bei einem Treffen mit buddhistischen Mönchen in Rangun sagte Franziskus, die Angehörigen beider Religionen könnten ihren Einsatz "für Frieden, Achtung der Menschenwürde und Gerechtigkeit für jeden Mann und jede Frau" bekräftigen. "Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer."

Das mehrheitlich buddhistische Land leidet nach einer jahrzehntelangen Militärherrschaft immer noch unter Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien und Religionen - nicht nur dem um die Rohingya. An der Stimmungsmache gegen Muslime sind auch buddhistische Mönche beteiligt. Es gibt verschiedene Hassprediger, die großen Einfluss auf die Bevölkerung haben. Zuvor hatte der Papst bei einer großen Messe das Thema Vergebung zum zentralen Punkt gemacht. Vor etwa 150.000 Menschen appellierte er an die Gläubigen, auf Gewalt nicht mit Rache zu antworten.

Quelle: n-tv.de, Annette Reuther, dpa

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