Härtetest für Moskaus WaffenVenezuelas Flugabwehr kollabiert unter US-Schlägen

Dank russischer Unterstützung zählt Venezuelas Flugabwehr lange zu den potentesten in ganz Lateinamerika. Doch schon vor dem US-Angriff sorgen fehlende Ersatzteile und ausbleibende Wartungen für erhebliche Ausfälle. Die Entführung von Machthaber Maduro können Moskaus Waffen am Ende nicht verhindern.
Im Zuge der Festnahme von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte hat Washington auch militärische Ziele im Land angegriffen. Aufnahmen zeigen, dass etwa auf dem Luftwaffenstützpunkt Generalissimo Francisco de Miranda in der Hauptstadt Caracas ein Lenkwaffenstarter des Mittelstrecken-Flugabwehrsystems Buk-M2E aus russischer Produktion vollständig zerstört wurde. In den ausgebrannten Trümmern sind die Überreste von Boden-Luft-Raketen zu erkennen, die auf den Werfer geladen und vor dem Angriff offenbar nicht mehr abgefeuert werden konnten. Ein weiteres Luftverteidigungssystem unbekannten Typs soll Berichten zufolge am Flughafen der Küstenstadt Higuerote explodiert sein.
Venezuelas Flugabwehr galt dank Moskaus Waffenhilfe lange als eine der besten in ganz Lateinamerika. Das Buk-M2E dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen und schließt die Lücke zwischen Nah- und Langstreckenverteidigung. Zum Arsenal zählen auch mehrere S-300-Langstreckenbatterien, die auch im Ukraine-Krieg auf beiden Seiten eingesetzt werden.
Doch bereits vor den US-Angriffen war Venezuelas Flugabwehr laut westlichen Militärbeobachtern nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Wie unter anderem das Portal Defence-Blog berichtet, seien große Teile der Luftverteidigung aufgrund jahrelanger Wartungsmängel und fehlender Ersatzteile nicht mehr einsatzbereit gewesen. Besonders gravierend wirkte sich demnach aus, dass Russland zugesagte Reparaturen, Überholungen und Ersatzteillieferungen nicht mehr in vollem Umfang erfüllte. Infolgedessen sei zum Zeitpunkt der Angriffe nur noch ein Bruchteil der nominell vorhandenen Systeme tatsächlich einsatzfähig gewesen.
Berichten zufolge verfügte Venezuela ursprünglich über zwölf Buk-M2E-Systeme, von denen zuletzt lediglich fünf als einsatzbereit galten. Noch schlechter stellte sich die Lage bei den Langstrecken-Systemen dar: Die im Land stationierten S-300V-Batterien sollen seit mehr als einem Jahr vollständig außer Gefecht gewesen sein. Ähnliche Probleme betrafen auch die venezolanische Luftwaffe. Ein Großteil der 21 Kampfflugzeuge vom Typ Su-30MK2 habe unter akutem Mangel an funktionsfähigen Triebwerken und Schlüsselkomponenten gelitten.
Vor dem Hintergrund der wachsenden US-Militärpräsenz in der Karibik hatte ein Vertreter Moskaus Anfang November noch neue Waffenlieferungen angekündigt. Systeme vom Typ Pantsir-S1 und Buk-M2E seien "erst kürzlich" an Bord von Il-76-Transportmaschinen nach Caracas gebracht worden, sagte der erste stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, Aleksey Zhurawlew, am 1. November gegenüber russischen Medien.
In der russischen Luftverteidigungsdoktrin ergänzen sich Pantsir-S1 und Buk-M2E. Das Pantsir-S1 soll im Rahmen der Nahbereichsverteidigung insbesondere Kommandozentren, Flugplätze und Radaranlagen schützen. Das Buk-M2E deckt mit einer Reichweite von bis zu 45 Kilometern und einer Einsatzhöhe von rund 25 Kilometern den mittleren Verteidigungsring ab und kann mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen. Gemeinsam sichern sie wichtige militärische Einrichtungen in mehreren Verteidigungszonen ab und ergänzen die weiterreichenden S-300-Systeme.
Trotz der unterschiedlichen Abwehrsysteme aus Russland erwies sich der venezolanische Widerstand gegen die US-Militäroperation offenbar als begrenzt. Laut dem US-General John Caine waren rund 150 Flugzeuge und Hubschrauber an dem Einsatz beteiligt. Bei dem Angriff seien einige Helikopter beschossen worden, einer wurde getroffen, blieb jedoch flugtauglich. Das US-Militär habe das Feuer erwidert und die Operation erfolgreich abgeschlossen. "Wir hatten keine Toten und haben auch kein Flugzeug verloren", sagte US-Präsident Donald Trump.