Kassen sehen AusgabenproblemVerbände laufen Sturm gegen Ende der kostenlosen Mitversicherung

In der Bundesregierung soll es Überlegungen geben, die derzeit kostenlose Mitversicherung des Ehepartners in der gesetzlichen Krankenversicherung abzuschaffen. Bei den Kassen und Sozialverbänden stößt diese Idee nicht auf Gegenliebe.
Sozialverbände haben vor einer Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung für Ehepartner in der Gesetzlichen Krankenversicherung gewarnt. Kassen sehen die Probleme der Sozialverbände eher an anderer Stelle. Der GKV-Spitzenverband betonte, "dass die Krankenkassen insgesamt nicht zu wenig einnehmen, sondern dass die Ausgaben zu hoch sind", wie GKV-Sprecher Florian Lanz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte.
"Im Kern liegt die dauerhafte Lösung nicht in einer Erhöhung der Einnahmen, sondern in Strukturreformen, die die extreme Ausgabendynamik der letzten Jahre stoppen." Allein im vorigen Jahr seien die Krankenhausausgaben um fast 10 Prozent gestiegen, die Ausgaben für Ärzte um fast 8 Prozent und die für Medikamente um rund 6 Prozent. "Wir brauchen ein mutiges und umfassendes Paket an Struktur- und Sparmaßnahmen, das bei den Ausgaben ansetzt."
"Die Familienversicherung ist kein Privileg, sondern Ausdruck gelebter Solidarität. Wer sie abschafft, schwächt den sozialen Zusammenhalt in unserem Land", sagte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele.
Laut Medienberichten erwägt die Regierungskoalition, die bisherige Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abzuschaffen. Ziel sei es, die Kassen finanziell zu entlasten und Arbeitsanreize für Ehepartner zu schaffen, die bislang kein eigenes Einkommen haben.
Die Vorstandschefin des Sozialverbands SoVD, Michaela Engelmeier, sieht in der Familienversicherung eine Entlastung vor allem für Geringverdiener. "Die diskutierten Pläne würden diese Haushalte überproportional treffen, denn zusätzliche Kosten von rund 225 Euro im Monat summieren sich auf etwa 2700 Euro im Jahr und fallen unabhängig vom Einkommen an", so Engelmeier. "Für Familien mit Mindestlohn bedeutet das einen Verlust von rund 13 Prozent ihres verfügbaren Einkommens."