Politik

"War es umsonst?" Veteranen verbittert über Taliban-Sieg

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Für André Wüstner ist die aktuelle Entwicklung in Afghanistan ein "politisches Desaster".

(Foto: picture alliance / Michael Kappeler/dpa)

Der Chef des Deutschen Bundeswehrverbandes bezeichnet die derzeitige Entwicklung in Afghanistan als "Tragödie". Vielen Veteranen sei das Scheitern des Einsatzes nur schwer vermittelbar. Den politischen Entscheidungsträgern in Berlin wirft er Versagen vor.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, hat angesichts der Machtübernahme der Taliban in Kabul auf die bittere Reaktion vieler Afghanistan-Veteranen hingewiesen. "Das ist etwas, das treibt die um, dieses 'Wofür?', dieses 'War es umsonst?'", sagte Wüstner in der ARD. Viele Soldaten seien bei dem Einsatz in Afghanistan verletzt worden oder hätten Kameraden sterben sehen.

Den Veteranen und ihren Angehörigen sei nur schwer zu vermitteln, dass der Einsatz nach rund 20 Jahren nun faktisch gescheitert sei. Es gebe zum Teil "enorme Wut" bei Veteranen und Hinterbliebenen. "Es geht ja auch darum, dass unwahrscheinlich viele Ehen kaputtgingen über all die Zeit der Belastungen", sagte Wüstner.

Der Politik warf Wüstner Versagen vor. "Das ist ein politisches Desaster. Es ist eine Tragödie. Und ich kann dem Bundespräsidenten nur beipflichten: Es ist beschämend, was wir da sehen." Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, habe schon vor Monaten Evakuierungspläne ausarbeiten lassen. "Aber es ist immer eine Frage der politischen Lagebewertung, der politischen Entscheidung. Und die ist sehr spät gefallen", sagte Wüstner.

Zugleich bemängelte er die politische Kommunikation, insbesondere in Hinblick auf weitere deutsche Soldaten in gefährlichen Auslandseinsätzen. "Wir haben auch Zuschriften aus Mali oder aus anderen Regionen, die natürlich jetzt Fragen stellen zum Thema Fehleinschätzung", sagte Wüstner. Er hoffe, dass das Verteidigungsministerium eine Antwort auf die Sorgen und Fragen dieser Soldaten finde.

Die Taliban waren nach einem rasanten Eroberungsfeldzug in Kabul einmarschiert und damit knapp 20 Jahre nach dem Einmarsch westlicher Truppen in Afghanistan an die Macht zurückgekehrt. Zehntausende Menschen versuchen derzeit, aus dem Land zu fliehen, weil sie eine Rückkehr zu einer Herrschaft nach den drakonischen Regeln eines fundamentalistischen Islam fürchten, wie sie die Taliban bereits in den Jahren 1996 bis 2001 ausgeübt hatten.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa

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