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Anschlagsopfer liegen gelassen Video wirft Fragen zu Halle-Einsatz auf

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Acht Minuten nach dem Notruf soll die Polizei in Halle mit nur einem Streifenwagen vor Ort gewesen sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Monate nach dem Anschlag in Halle legen Aufnahmen einer Überwachungskamera laut einem Zeitungsbericht neue Details offen. Demnach haben Polizisten ein auf dem Boden liegendes Opfer nicht mehr zu retten versucht. Auch hätten die Beamten den Angreifer wohl früher fassen können.

Ein Überwachungsvideo vom Anschlag auf die Synagoge in Halle vor vier Monaten wirft einem Bericht zufolge Fragen zum Verhalten der Polizei auf. Es sei zu sehen, wie acht Minuten nach dem ersten Notruf zunächst nur ein Streifenwagen eintrifft, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Zudem schien sich zunächst niemand um eine niedergeschossene Passantin zu kümmern, laut dem Bericht leistet ihr niemand Erste Hilfe. Eine Polizistin aus dem Streifenwagen läuft um die Frau herum, tut aber nichts. Innenminister Holger Stahlknecht habe am Tag nach dem Anschlag gesagt, die Beamtin habe die Frau überprüft und dabei "den Tod der Person bestätigt".

Allerdings sei selbst nach einer Viertelstunde auf dem Video zwar zwei Streifenwagen, aber kein Notarzt zu sehen, schreibt die Zeitung. Dann ende das Video. Wann letztlich ein Notarzt zur kompetenten Beurteilung eingetroffen sein, habe das Innenministerium nicht genauer sagen können.

Außerdem sei der flüchtende Attentäter Minuten nach dem Eintreffen des einzelnen Streifenwagens noch einmal durch dieselbe Straße an der Synagoge gefahren, ohne dass ihn jemand stoppte. Dabei sei zu diesem Zeitpunkt sein Autokennzeichen bereits über den Polizeifunk verbreitet worden. Das Video stammt den Angaben zufolge von einer Kamera an der Außenwand der Synagoge. Die "Süddeutsche Zeitung" wertete es gemeinsam mit NDR und WDR aus.

Am 9. Oktober 2019 hatte der mutmaßliche Attentäter Stephan B. während der Feierlichkeiten zum jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, bewaffnet in die Synagoge von Halle einzudringen. Nachdem ihm dies nicht gelang, erschoss er den Ermittlungen zufolge auf offener Straße zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer.

Quelle: ntv.de, mra/AFP