Politik

Schwulen-Demo in Moskau Volker Beck verletzt

Der deutsche Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist bei einer nicht genehmigten Kundgebung homosexueller Demonstranten in Moskau verletzt worden. "Erst wurde ich von einem Stein getroffen. Dann schlug mir ein junger Neonazi mit der Faust ins Gesicht", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen der Deutschen Presse-Agentur in Moskau.

Gegenüber dem Fernsehsender RTL sagte Beck, der Vorfall zeige, "wir sind hier nicht sicher in diesem Land". Der Politiker erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei: "Die Sicherheitskräfte haben uns nicht geschützt, sondern sogar unseren Rückzug verhindert, so dass wir dem schutzlos ausgeliefert waren." Nach Angaben der ARD verbrachte Beck mehrere Stunden unfreiwillig im Polizeibus.

Erst nachdem die Polizei über seine Identität aufgeklärt worden sei, habe man sich für das Vorgehen gegen ihn entschuldigt. "Man darf nicht zulassen, dass die Polizei die friedlichen Schwulen und Lesben nicht gegen Schläger schützt", bekräftigte Beck in Moskau.

Insgesamt 120 Festnahmen

Ein Polizeisprecher teilte nach Angaben der Agentur Interfax mit, dass insgesamt 120 Menschen bei den Tumulten im Stadtzentrum festgenommen worden seien. Die russischen Politiker gaben einhellig den Homosexuellen die Schuld an der Eskalation der Lage.

Ursprünglich wollten die rund 40 Aktivisten aus dem In- und Ausland Blumen am Grab des unbekannten Soldaten niederlegen, einem der heiligsten Plätze Russlands. Die Polizei schloss aber die Tore zum Park, in dem das Ehrenmal liegt. Frauen stellten sich den Homosexuellen singend entgegen, glatzköpfige Nationalisten versuchten, in deren Reihen einzudringen. Es waren mindestens doppelt so viele Gegner wie Teilnehmer an der Demonstration.

Die städtischen Behörden hatten den Protestzug verboten und verurteilten ihn als Schande für die Gesellschaft. Religiöse Führer aller Glaubensrichtungen wetterten ebenfalls gegen die geplante Demonstration.

"Versammlung war Provokation"

Im russischen Parlament bezeichnete ein Sprecher die öffentliche Versammlung der Schwulen und Lesben als "Provokation" und lobte das Vorgehen der Polizei. "Man sollte sein abweichendes Verhalten von allgemein akzeptierten Normen nicht öffentlich zur Schau stellen und das auch noch als Menschenrecht darstellen", sagte der Leiter des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur im Föderationsrat, Viktor Schudegow der Agentur Itar-Tass.

Gleichgeschlechtliche Liebe stand in Russland bis 1993 unter Strafe. Die russisch-orthodoxe Kirche verurteilt praktizierte Homosexualität als "Sünde". Russland hat als Mitglied des Europarates die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit für alle Bürger zu sichern und Minderheiten im Land zu schützen.

Quelle: ntv.de

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