Politik

Drastischer Bevölkerungsrückgang Vom Osten bleiben nur die Städte übrig

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Blick auf den Marktplatz von Hildburghausen in Thüringen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Immer mehr Menschen kehren den ländlichen Regionen Ostdeutschlands den Rücken. Die gewohnte Infrastruktur wird außerhalb der Städte nicht zu halten sein, meinen Forscher. Sie sehen nur noch eine Möglichkeit.

Dem Osten Deutschlands gehen die Menschen aus. Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint E. Gropp, sieht die Zukunft Ostdeutschlands angesichts des drastischen Bevölkerungsrückgangs deshalb nur noch in den Städten.

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Gropp meint, es könnte im Osten auch zu Betriebsschließungen wegen Fachkräftemangels kommen.

(Foto: dpa)

Die neuen Länder müssten sich stärker auf die Städte konzentrieren und sie attraktiver machen, sagte der IWH-Präsident der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, die Politik muss irgendwann den Mut haben und sagen, dass die Infrastruktur in dünn besiedelten Gebieten nicht auf Dauer auf dem bisherigen Niveau gehalten werden kann." Er wisse, dass so ein Eingeständnis schwerfalle, weil es in Deutschland bisher den Anspruch auf überall gleiche Lebensbedingungen gebe.

Nach Einschätzung von Gropp könnten die Probleme, vor denen die neuen Länder auch durch den stark steigenden Anteil älterer Menschen stehen, durch Zuwanderung zumindest eingedämmt werden. "Ein Zuwanderungsgesetz könnte da schon helfen, auch wenn es eigentlich zu spät kommt." Es müsse eine Kultur geschaffen werden, die Zuwanderung zuträglich ist. "Pegida sorgt für das Gegenteil." Zudem werde die Zuwanderungsdebatte durch die Verwirrung um Asylsuchende und Immigrationswillige stark behindert.

Schutz vor Überalterung

Dem "Tagesspiegel" hatte Gropp zuvor gesagt, dass sich Deutschland stärker für junge, gut ausgebildete Einwanderer öffnen müsse. Nur eine aktive, kontrollierte Immigrationspolitik könne das Problem Deutschlands abschwächen, dass die Gesellschaft schrumpft und einer Überalterung entgegentreibt.

Gropp schätzt ein, dass der Osten Deutschlands in der demografischen Entwicklung dem Westen etwa zehn Jahre voraus ist. "Ich sehe darin auch Chancen. Die Probleme sind anders als in Berlin, München oder Frankfurt schon jetzt offensichtlich. Daher könnten die neuen Bundesländer zu Vorreitern beim Entwickeln und Umsetzen von Lösungen werden. Für meinen Geschmack macht sich die Politik darüber aber noch immer viel zu wenige Gedanken." Übrigens: Der Rückgang habe auch positive Seiten für qualifizierte Arbeitnehmer: "Die Löhne werden steigen und es gibt mehr attraktive Stellenangebote."

Nach Prognosen des Statistischen Bundesamts ist im Jahr 2030 jeder dritte Ostdeutsche 65 Jahre und älter. Berechnungen gehen davon aus, dass die Einwohnerzahl in den neuen Ländern in den nächsten 15 Jahren nochmals um einige Hunderttausend Menschen sinkt.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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