Politik

Abzug von US-Truppen?Wadephul reagiert gelassen auf Trump-Drohung

30.04.2026, 14:59 Uhr
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Wadephul
Außerminister Wadephul reist derzeit durch Rabat in Marokko und trifft sich dort unter anderem mit seinem Amtskollegen Nassar Bourita.

Trump droht mit dem Abzug von US-Streitkräften in Deutschland. Außenminister Wadephul macht sich darüber aber keine Sorgen: "Das schauen wir uns in aller Ruhe gemeinsam an", sagte er im RTL-Interview auf seiner Reise durch Marokko.

Bundesaußenminister Johann Wadephul hat gelassen auf Berichte über eine mögliche erneute Prüfung eines US-Truppenabzugs aus Deutschland durch Präsident Donald Trump reagiert. Auf die Frage, ob ihn das verunsichere, antwortete Wadephul in der RTL-Sendung "Nachtjournal Spezial" auf seiner Reise in Rabat in Marokko mit einem kurzen "Nein". Es werde insgesamt "schon auch eine Verschiebung von Kräften geben". Die USA hätten bereits früher unter US-Präsident Barack Obama deutlich gemacht, sich stärker auf den pazifischen Raum konzentrieren zu wollen, sagte er. "Wir müssen mehr übernehmen, wir müssen stärkere Schultern herausbilden."

Der europäische Pfeiler der Nato werde deshalb stärker werden, sagte Wadephul. "Das mag jetzt kommen. Das schauen wir uns in aller Ruhe gemeinsam miteinander an." Auf mögliche Veränderungen bereite sich auch die Bundeswehr vor. Einen Abzug wichtiger US-Standorte aus Deutschland sieht er nicht. "Die USA brauchen diese Standorte", sagte Wadephul mit Verweis auf Ramstein, Landstuhl und Grafenwöhr. Diese dienten "unserer Sicherheit" ebenso wie der Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Zur persönlichen Attacke Trumps gegen Bundeskanzler Friedrich Merz in den sozialen Netzwerken sagte Wadephul, Deutschland werde darauf nicht mit Gegenangriffen reagieren. "Nein, man muss nicht kontern." Mit den USA gebe es weiter einen "guten, fruchtbaren Austausch". Er habe erst am Vortag mit seinem US-Kollegen Marco Rubio telefoniert. Man habe über Iran und die Ukraine gesprochen, dort gebe es "vollkommen gleiche Positionen zwischen den USA und Deutschland".

Wadephul verteidigte zudem Merz: Der Kanzler habe "vollkommen richtigerweise im Grunde eine klare Warnung an den Iran ausgesprochen", nun ernsthaft zu verhandeln. "Das war ja die Aussage des Bundeskanzlers. Die war ja richtig, die verteidige ich." Deutschland und die Bundesregierung stünden dabei "vollkommen geschlossen".

"Wir brauchen jetzt ein bisschen Geduld"

Angesichts des Nahost-Konflikts, steigender Energiepreise und der stockenden Iran-Verhandlungen hat Wadephul zudem um Geduld geworben. "Wir brauchen jetzt ein bisschen auch Geduld. Wir brauchen Konsequenz, wir brauchen Geduld - und wir müssen zusammenstehen", sagte er. Der Iran befinde sich in einer "ökonomisch katastrophalen Situation" und sei militärisch "erheblich geschlagen". Deshalb werde Teheran "schon zu irgendeinem Zeitpunkt an den Verhandlungstisch kommen".

Europa, die USA und auch die Golfstaaten hätten eine gemeinsame Position, sagte Wadephul. Der Iran müsse eingegrenzt werden und dürfe "nicht weiter mit sogenannten Proxies wie Hisbollah, Hamas, Huthis die Welt verunsichern". Zudem müsse die Straße von Hormus wieder frei werden. "Wir brauchen Solidarität und Miteinander im Bündnis und mit unseren Partnern in der Welt. Und wenn wir das zeigen, dann werden wir uns durchsetzen."

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg zeigte sich Wadephul weiter zuversichtlich. Russland mache keine Fortschritte und verliere "wahnsinnig viele Soldaten". Deshalb brauche es nun "eine neue Verhandlungsrunde". Durch die Iran-Krise seien wichtige US-Unterhändler derzeit gebunden. "Das heißt am Ende des Tages, dass wir Europäer, glaube ich, doch schon eine stärkere Rolle werden übernehmen müssen." Er bleibe überzeugt, "dass mit Russland eine Einigung möglich ist".

Das gesamte Interview wird in der RTL-Sendung "Nachtjournal Spezial" am Freitag, dem 1. Mai 2026 um 0.25 Uhr auf RTL ausgestrahlt, auf YouTube sowie auf der Streamingplattform RTL+.

Quelle: ntv.de, vmi

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