Politik

"Stachel im Fleisch" Wagenknechts Ex will in den Bundestag

Ralph Thomas Niemeyer war 16 Jahre lang mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht verheiratet. Nun kandidiert er für die Bundestagswahl - auf einer Landesliste der SPD.

Martin Schulz war auch da, in Schwäbisch Gmünd hielt die SPD am vergangenen Wochenende ihren Parteitag ab. Im Mittelpunkt des Programms stand aber nicht nur die Rede des Kanzlerkandidaten. Die Landes-SPD kürte auch ihre Kandidaten für die Bundestagswahl im Herbst. Es gab insgesamt 39 Plätze zu vergeben. Der Bewerber auf Platz 39, Ralph Thomas Niemeyer, erhielt 87,19 Prozent der Delegiertenstimmen. Er ist der frühere Ehemann von Sahra Wagenknecht.

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Ralph Thomas Niemeyer auf seiner Website.

(Foto: http://www.ralph-niemeyer-fuer-ein-rotes-land.de)

Niemeyer und die Linken-Fraktionschefin waren von 1997 bis 2013 verheiratet und sind inzwischen geschieden. Der heute 47-Jährige wurde in Berlin geboren, wuchs aber in Bonn auf. In den 80ern kehrte er nach Berlin zurück. Auf seiner Internetseite ralph-niemeyer-fuer-ein-rotes-land.de gibt Niemeyer unter Berufslaufbahn an: "1986-1989 jüngster Interviewpartner von Bundeskanzler Helmut Schmidt & Kohl". 1989 war Niemeyer erst 20 Jahre alt. Vor dem Mauerfall arbeitete er für den Deutschen Auslands-Pressedienst. Laut Medienberichten soll er es auch gewesen sein, der am 9. November 1989 Günter Schabowski gefragt hat, ab wann die Ausreiseregelung gilt. Daraufhin entgegnete das DDR-Politbüromitglied: "Ab sofort, unverzüglich". Bis heute ist jedoch umstritten, welcher Journalist die historische Frage gestellt hat.

Niemeyer und die damalige PDS-Politikerin Wagenknecht sollen sich einige Jahre später bei einem Interview kennengelernt haben. Er war damals als Filmemacher tätig und engagierte sich später auch in der Linkspartei. Erfolglos kandidierte Niemeyer 2013 als niedersächsischer Direktkandidat für den Bundestag. Mehrfach geriet er in der Vergangenheit auch negativ in die Schlagzeilen. 1996 wurde Niemeyer vom Landgericht Köln wegen Betruges zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Angeblich soll er als Finanzberater krumme Geschäfte gemacht haben. Niemeyer, der behauptet, er habe als Undercover-Journalist in der Finanzbranche recherchiert, erhielt ein Berufsverbot. Einige Jahre später gab es wieder Ärger. Gegen Niemeyer erging ein Haftbefehl, weil er ein gefälschtes Gemälde für eine Millionensumme angeboten haben soll. Gegen eine hohe Kaution kam er jedoch frei, das Verfahren wurde eingestellt.

Nun feiert Niemeyer ein überraschendes Comeback. Auf seiner Internetseite prangt noch immer das Linke-Logo. In seinem neuesten Blogeintrag schreibt er, er sei "völlig überraschend in die SPD aufgenommen worden und werde dort Stachel im Fleisch sein". Außerdem heißt es: "Ich schwimme immer wieder erfolgreich gegen den Strom, denn dabei nimmt man notwendigen Sauerstoff auf und kommt zur Quelle."

Wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, war nur wenigen Personen in der Landes-SPD der persönliche Hintergrund bekannt. Möglicherweise hätte er sonst bei der Abstimmung auch nicht so ein gutes Ergebnis bekommen. Am Ende könnte es egal sein, denn Niemeyer steht auf dem letzten und damit ziemlich aussichtslosen Listenplatz. Bei der Bundestagswahl 2013 schafften es 20 SPD-Abgeordnete über die Landesliste ins Parlament.

Quelle: n-tv.de, cro

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