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AfD-Parteitag in Thüringen Warum Björn Höcke keinen neuen Ärger will

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Diesmal keine Tabubrüche: Björn Höcke auf dem AfD-Landesparteitag.

(Foto: picture alliance/dpa)

Björn Höcke ist für seine verbalen Provokationen berüchtigt. Beim AfD-Parteitag in Thüringen gibt er sich jedoch betont moderat. Für seinen zurückhaltenden Auftritt gibt es mehrere Gründe.

Weiter kann man als Landesvorsitzender wohl kaum zurückrudern: Die Rede von Björn Höcke beim Parteitag der AfD in Thüringen erscheint auf der Tagesordnung als "Rede eines Landessprechers". Der Name Björn Höcke taucht gar nicht erst auf im Programm. Vom moderierenden Parteikollegen wird sein Beitrag angekündigt, als habe der Landeschef sich spontan dazu bereiterklärt.

Höcke hat eingesteckt für seinen Auftritt auf dem Kyffhäuser-Treffen, als er wie ein Popstar mit Musik und Personality-Video in den Saal eingezogen war. 100 AfD-Mitglieder, Gegner des Rechtsaußen, hatten danach per Unterschriftenliste gegen seine One-Man-Show protestiert. Das saß womöglich. Björn Höcke verzichtet jedenfalls darauf, seinerseits wieder in die Gegenrichtung auszuteilen.

Stattdessen erleben die knapp 240 Teilnehmer des Parteitags in der Stadtbrauerei Arnstadt zu Beginn einen betont jovialen Redner. Nach einem Angriff auf die anwesende Presse, die laut Höcke "die Exekutierung eines politischen Kampfauftrages im Namen der Kartellparteien" durchführt, geht es unter tosendem Applaus vergleichsweise gemäßigt weiter.

Er scherzt und ermahnt die zukünftigen Delegierten des Bundesparteitags, dass sie - anders als manche Vorgänger - auch bitte wirklich bis zum Ende des Parteitags dableiben müssten, und er nutzt viel Redezeit, um die öffentliche Darstellung seiner selbst anzuprangern. Im MDR-Sommerinterview, so beschwert sich Höcke, sei er 16 Mal unterbrochen worden, SPD-Landeschef Tiefensee nur elf Mal. Der Saal unterstützt ihn mit Applaus, so richtig in Fahrt kommen die Teilnehmer hier nicht.

Höcke will keine Ost-West-Spaltung

Wer vom Strahlemann der Parteirechten neue verbale Tabubrüche erwartet hat - Stichwort "Mahnmal der Schande" - bekommt wenig geboten. Seine Vision einer "Verabschiedungskultur" gegenüber Asylbewerbern ist bereits bekannt, mit Höckes Wunsch nach einer "Kunst frei von staatlicher Gängelung" kann das Arnstädter Publikum spürbar wenig anfangen. Hatte er beim Kyffhäuser-Treffen noch unter lautem Applaus angekündigt, der AfD-Bundesvorstand werde "in dieser Zusammensetzung nicht wieder gewählt", so berührt er das Thema nun gar nicht erst. Von n-tv.de nach der Rede auf den Bundesvorstand angesprochen erklärt er, er habe an den Parteichefs "mal zaghafte Kritik" geübt.

Haben die Spekulationen über einen möglichen Bruch der AfD Höcke vorsichtig werden lassen? Zuletzt schien der Zwist zwischen dem rechten AfD-"Flügel", der den Osten im Griff hat, und den zumeist gemäßigteren West-Landesverbänden derart tief, dass erstmals ein Bundestagsabgeordneter der Partei die Option einer Spaltung nach dem Muster von CDU und CSU erwähnte. Der AfD-Mann war später zwar zurückgerudert, aber der Richtungsstreit in der AfD hat die Landtagsfraktionen in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ins Chaos gestürzt.

Eine Ost-West-Spaltung lehnt Höcke klar ab, sie wäre ein schlechtes Zeichen, wie er auf Nachfrage von n-tv.de betont. "Deutschland ist ein einig Vaterland, und das sollte sich auch in unserer Partei in der Umsetzung darstellen." Auch Stephan Brandner, Chef der thüringischen AfD-Bundestagsgruppe, fordert im Anschluss an Höckes Beitrag die Mitglieder zur Geschlossenheit auf. In einer aktuellen Forsa-Umfrage liege der Landesverband Nordrhein-Westfalen bei sieben Prozent. "Ich bin entsetzt gewesen", sagt Brandner. Der Verband sei "ein klassisches Beispiel dafür, wie man nicht auftreten sollte, indem man sich nicht zerlegt und wechselseitig zurücktritt und wieder Rücktritte vom Rücktritt veranstaltet".

So scheint die Thüringer Strategie zu sein, vor den Landtagswahlen keinen Konfrontationskurs, sondern eher untertourig zu fahren. Damit läuft die Partei derzeit weniger Gefahr, die möglichen Wähler im konservativen Lager zu verschrecken, die mit der nationalen Ausrichtung nicht so mitgehen könnten. "Lassen wir die politische Sonne über Brandenburg, Sachsen und Thüringen aufgehen", ruft der Landeschef zum Schluss. "Holen wir uns unser Land zurück, schreiben wir Geschichte!" Die Menge jubelt: "Höcke! Höcke! Höcke!"

Quelle: n-tv.de

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