Politik

"Er hatte goldene Hände" Was trieb den Attentäter von St. Petersburg?

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Die DNA von Akbarschon Dschalilow wurde an beiden Bomben sichergestellt.

(Foto: imago/Russian Look)

Akbarschon Dschalilow riss in der St. Petersburger U-Bahn 14 Menschen in den Tod - und noch immer rätseln die Ermittler, wer ihn zu dieser Tat getrieben hat. Erst in diesem Jahr soll er von Islamisten angeworben worden sein. Doch ein Bekennerschreiben gibt es nicht.

Die Suche nach den Hintermännern des Bombenanschlags von St. Petersburg mit bislang 14 Toten stellt die russischen Ermittler vor ein Rätsel. Als Selbstmordattentäter hatten sie tags zuvor einen 22-jährigen Mann aus Kirgistan identifiziert. Der Mann namens Akbarschon Dschalilow sei bei der Explosion in der Metro der Millionenstadt getötet worden. Dschalilow habe einen russischen Pass besessen, hieß es weiter. Nach Angaben der Agentur Interfax wurde er erst in diesem Jahr von einer islamistischen Organisation angeworben. Doch nach wie vor hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt.

Dschalilow soll eine Hochschule besucht und seinem Vater in einer Autowerkstatt geholfen haben. Zuletzt habe er in St. Petersburg gelebt und sei im Februar 2017 für einige Wochen nach Kirgistan gereist. "Er ist als völlig veränderter Mensch zurückgekehrt", zitierte Interfax eine nicht näher identifizierte Quelle. Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass er in seiner Heimat von Extremisten angeworben wurde. Die Familie lebte seit rund fünf Jahren in der Stadt Osch im Ferghana-Tal im Süden Kirgistans. Nachbarn beschrieben Dschalilow als tüchtig. "Er konnte jede Arbeit verrichten", sagte ein Nachbar. Der 22-Jährige habe "goldene Hände" gehabt.

Nun versuchen die Ermittler zu ergründen, wie der junge Mann zu einem Selbstmordattentäter werden konnte. Am Montagnachmittag hatte Dschalilow in einem fahrenden Zug zwischen zwei Stationen einen Sprengsatz gezündet. Eine zweite Bombe wurde rechtzeitig entschärft. DNA-Spuren von Dschalilow wurden laut Ermittlungskomitee an beiden Bomben gefunden.

Warnung an Präsident Putin?

Am Dienstagabend veröffentlichte das Komitee die Namen von zehn identifizierten Opfern. Bei vier Leichen müsse eine Genanalyse gemacht werden. Von 49 Verletzten in Kliniken waren einige noch immer in kritischem Zustand. Bei dem Anschlag am Montag in der U-Bahn waren mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Elf Menschen starben direkt bei der Explosion - drei weitere erlagen später ihren Verletzungen, wie Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa mitteilte.

Der Machtposition des russischen Präsidenten schadet die terroristische Bedrohung nach Einschätzung eines Experten nicht. Wladimir Putin könne sich nach dem Anschlag wieder als starker Mann und entschlossener Kämpfer zeigen, sagte Gernot Erler, der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, im Interview mit der "Passauer Neuen Presse". Der Kreml schloss nicht aus, dass der Bombenanschlag auf den Besuch von Präsident Putin in St. Petersburg zielen sollte.

Quelle: ntv.de, jug/dpa