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War was außer Thunberg? Was vom Klimagipfel in New York bleibt

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Greta Thunberg nach ihrer Rede bei den Vereinten Nationen.

(Foto: REUTERS)

Der Klimagipfel in New York ist vorbei. Konnte das Treffen zahlreicher Staats- und Regierungschefs etwas bewirken? Oder wurde doch nur über Klimaaktivistin Greta Thunberg gesprochen?

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zu dem Treffen in New York eingeladen. Ziel der Konferenz war es, die Umsetzung der im Pariser Klimaübereinkommen getroffenen Vereinbarungen zu beschleunigen. Wurde das Ziel erreicht? Was wird sonst über das Treffen in Erinnerung bleiben?

Thunberg segelt klimaschädlich, Merkel schmeißt AKK aus ihrem Jet

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hatte sich schon vor Wochen per Segelschiff auf den Weg an die US-Ostküste gemacht - emissionsfrei. Jedenfalls sollte das ganze so wirken. Ausgerechnet die "taz" erfuhr dann jedoch vom Pressesprecher des Skippers, der Thunberg über den Atlantik gebracht hat, dass fünf Mitarbeiter und der Kapitän der Jacht aus New York zurückgeflogen werden müssen. Sechs zusätzliche Langstreckenflüge löste der Segeltörn aus. Wäre Thunberg mit ihrem Vater direkt geflogen, wären es zwei gewesen.

Und auch die Anreise der deutschen Delegation sorgte für Debatten. Nahezu zeitgleich reisten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in die USA. Merkel wollte zum Klimagipfel, AKK nach Washington, um den US-Verteidigungsminister zu treffen. Man sollte meinen, dass für eine Regierungschefin, eine Ministerin und den Anhang der beiden eine Großraummaschine ausreichen sollte. Nein, AKK und Merkel reisten mit zwei Flugzeugen an – und das kurz nachdem sich die Bundesregierung zu strengerem Klimaschutz verpflichtet hatte. Die "Bild"-Zeitung interpretierte das als "Rauswurf" der Verteidigungsministerin aus Merkels Regierungsflieger und vermutet persönliche Differenzen zwischen den beiden.

Eine andere Version der Geschichte lautet: AKK hätte aus Platzgründen in dem Bereich des Regierungsfliegers Platz nehmen müssen, in dem eigentlich Journalisten sitzen. Das Kanzleramt fand das demnach "unpassend".

Thunberg ist sauer I

Thunberg ist freilich nicht bloß angereist, um vor dem UN-Gebäude zu demonstrieren und Amerikaner vom Schulbesuch abzuhalten. Sie hielt während des Gipfels auch eine Rede. Und die hatte es in sich. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum. Wie könnt Ihr es wagen?", schmetterte sie den Staats- und Regierungschefs entgegen. "Alle kommenden Generationen haben Euch im Blick, und wenn Ihr Euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich, zu sagen: Wir werden Euch das nie vergeben! Wir werden Euch das nicht durchgehen lassen! Genau hier ziehen wir die Linie. Die Welt wacht auf und es wird Veränderungen geben, ob Ihr es wollt oder nicht."

Rhetorisch bewegt sich etwas

Kanzlerin Merkel sagte nach Thunbergs Rede: "Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört." Wie viel letztlich Thunbergs drastische Worte bewirkt haben, ist unklar. Sicher ist jedoch: Viele Staaten haben sich zu zusätzlichen Anstrengungen verpflichtet. Unter anderem verpflichteten sich 77 von 193 Mitgliedern der Vereinten Nationen, bis 2050 klimaneutral zu werden, also unter dem Strich keine Treibhausgase mehr zu produzieren. Auch Deutschland zählt zu diesen Ländern. 102 Städte, 10 Regionen und 93 Konzerne schlossen sich diesem Ziel an. 70 Länder versprachen, ihren nationalen Beitrag zum Kampf gegen die Klimakrise ab 2020 zu erhöhen. Ein weiteres deutliches Signal: Russland trat am Montag per Regierungsverfügung dem Klimaschutzabkommen von Paris offiziell bei. Unklar blieb aber, wie die Regierung den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 reduzieren will. Die Rohstoffgroßmacht, die vor allem von ihren Gas- und Ölressourcen lebt, gehört zu den Ländern mit dem höchsten Ausstoß von Kohlendioxid.

Auch auf dem Kapitalmarkt gibt es Bewegung: Eine internationale Initiative großer Versicherungen und Pensionsfonds will bis 2050 mehr als zwei Billionen Euro klimaneutral anlegen. Initiator ist die Allianz, Europas größter Versicherer. Er allein hat etwa 800 Milliarden Euro in den Büchern stehen, die angelegt werden müssen. Beteiligt an dem Bündnis sind eine Reihe weiterer institutioneller Investoren, darunter der staatliche französische Pensionsfonds Caisse des Dépots, der kanadische Rentenversicherer CDPQ sowie die Schweizer Versicherer Zurich und Swiss Re. Die Großinvestoren wollen nun Druck auf die Unternehmen machen, deren Wertpapiere sie halten, damit die ihre Geschäftsmodelle "dekarbonisieren" - also die Belastung des Planeten mit Treibhausgasen nicht mehr erhöhen.

Reicht das?

Klimaexperten zeigten sich unzufrieden mit den Gipfelergebnissen. "Es gab nicht die Art von Klarheit und die eindeutigen Aussagen, die wir von diesen Ländern sehen wollen würden", sagte der Direktor der International Climate Initiative vom World Resources Institute, David Waskow. Deutsche Umweltorganisationen gingen mit Merkel hart ins Gericht. "Angela Merkel war in New York erneut mutlos - sie hat es versäumt, eine Erhöhung der ungenügenden deutschen sowie europäischen Klimaziele anzukündigen", erklärte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Offiziell hat sich Thunberg zu den Ergebnissen des Gipfels noch nicht geäußert. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass auch sie sich der Kritik anschließen wird.

Thunberg ist sauer II

*Datenschutz

Dann gab es noch eine Szene, die so kurz und dennoch so aussagestark war, dass sie wie aus einem Film wirkte. Ein offizielles Treffen von Thunberg und dem bekennenden Klimawandel-Skeptiker und US-Präsident Donald Trump gab es nicht. Dennoch sind sie sich über den Weg gelaufen. Trump kam unangekündigt bei dem Klimagipfel vorbei und lief in einem der Gänge an Thunberg vorbei. Fernsehkameras fingen ein, wie Thunberg ihn mit versteinerter Miene mustert. Das Video verbreitete sich viral und wurde massenhaft kommentiert.

Eigentlich sah es so aus, als habe Trump keine Notiz von Thunberg genommen. Später jedoch verspottete der US-Präsident die junge Klimaaktivistin auf Twitter, die ihn mit dem unmissverständlichen Blick ansah: "Sie scheint ein sehr glückliches junges Mädchen zu sein, das sich auf eine glänzende und wundervolle Zukunft freut. So schön zu sehen!"

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Quelle: n-tv.de

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