Politik

Flugzeugabsturz bei Teheran Washington gibt Iran die Schuld

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Niemand überlebte den Absturz des Boeing-Flugzeugs nahe Teheran.

(Foto: dpa)

Noch dauern die Ermittlungen zur Absturzursache an. Doch schon jetzt gehen die USA und andere Länder davon aus, dass ein ukrainisches Passagierflugzeug im Iran abgeschossen wurde. Als Verantwortlichen benennt Washington die Führung in Teheran.

Nach Kanada und Großbritannien gehen auch die USA von einem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine durch den Iran aus. "Wir glauben, dass es wahrscheinlich ist, dass dieses Flugzeug durch eine iranische Rakete abgeschossen wurde", sagte US-Außenminister Mike Pompeo im Weißen Haus. Pompeo betonte aber, man müsse die Untersuchung abwarten.

Ein Flugzeug der Ukraine International Airlines mit 176 Menschen an Bord war am Mittwoch kurz nach dem Start in Teheran abgestürzt. Es war auf dem Weg nach Kiew. Niemand überlebte das Unglück. Nur kurz zuvor hatte der Iran zwei von US-Soldaten genutzte Stützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Der Iran hatte Spekulationen über einen Abschuss zurückgewiesen und einen technischen Defekt als Ursache genannt.

Die Nato-Staaten Kanada und Großbritannien haben eigenen Angaben zufolge Informationen, nach denen ein versehentlicher Raketenbeschuss durch den Iran die Ursache für den Absturz war. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstützt die Annahme, der Iran habe das Passagierflugzeug abgeschossen. Es gebe keinen Grund, den Berichten mehrerer Nato-Partner nicht zu glauben, sagte Stoltenberg am Rande eines Sondertreffens der EU-Außenminister in Brüssel. Nun brauche es gründliche Ermittlungen. Dafür sei es besonders wichtig, dass der Iran sich an diesen Untersuchungen beteilige.

Unter den Absturzopfern waren 63 Menschen aus Kanada und mindestens zehn aus Schweden. Es kamen auch eine Doktorandin aus Mainz und eine Asylbewerberin aus Nordrhein-Westfalen mit ihren beiden Kindern um. Die 29 Jahre alte Doktorandin war nach Angaben des Max-Planck-Instituts in Mainz für ihren Weihnachtsurlaub bei ihrer Familie im Iran.

Selenskyj: "Unstrittige Wahrheit herausfinden"

Immer mehr Staaten bieten dem Iran derweil Unterstützung bei der Klärung der Absturzursache an oder fordern eine Beteiligung ein. Der Iran will Fachleute unter anderem aus den USA einbeziehen. Die Nationale Behörde für Transportsicherheit in Washington erklärte, dass sie sich an der Untersuchung beteilige. Paris bot technische Hilfe an.

Der US-Sender CBS hatte berichtet, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt. Der US-Fernsehsender CNN berichtete, der Theorie eines versehentlichen Abschusses durch den Iran lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom US-Militär und den Geheimdiensten gesammelt würden.

Die Ukraine hat bereits eigene Experten in den Iran geschickt. Das Land verlangt Beweise für die Abschussthese. "Unser Ziel ist es, die unstrittige Wahrheit herauszufinden", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew. Das sei auch die internationale Gemeinschaft den Familien der Opfer schuldig. Vor allem an die Regierungen von Kanada, Großbritannien und den USA gerichtet sagte das Staatsoberhaupt weiter: "Wir rufen alle internationalen Partner (...) dazu auf, der Ermittlungskommission Daten und Beweise vorzulegen, die die Katastrophe betreffen."

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Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, gab am Donnerstagabend im iranischen Fernsehen bekannt, dass der Iran auch Boeing-Fachleute aus den USA, Kanada und Frankreich an den Untersuchungen beteilige. Sollte es aus technischen Gründen nicht möglich sein, die Blackbox des Flugzeuges im Iran zu untersuchen, wären auch Untersuchungen im Ausland denkbar. Es sollten alle technischen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, um die Absturzursache umgehend zu klären, sagte Abedsadeh. Die Vermutung, die Maschine sei von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden, bezeichnete er aber als absurd.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa