Politik

Kampagne gegen "Arzt Amerikas" Weißes Haus bewirft Fauci mit Dreck

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Der "Arzt Amerikas" - so wird der bekannte Mediziner Anthony Fauci genannt, der seit 1984 das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) leitet.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Donald Trump versucht schon länger, die Scheinwerfer weg vom stetig mahnenden Virenexperten Anthony Fauci zu lenken. Das reicht offenbar nicht mehr aus: Berichten zufolge arbeitet das Weiße Haus aktiv daran, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken.

Der renommierte Virenexperte Anthony Fauci spricht die Probleme in den USA in der Corona-Krise klar, aber sachlich aus - offenbar zum Missfallen von US-Präsident Donald Trump. Die "Stimme der Vernunft" stört seinen Kampf um die Stimmen der Wähler. Die Sorge um die Wahl in vier Monaten ist im Weißen Haus wohl so groß, dass jetzt gegen den langjährigen Präsidentenberater Stimmung gemacht wird.

Wie unter anderem die "Washington Post" und der Nachrichtensender CNN berichten, verteilte ein Vertreter des Weißen Hauses eine Liste mit Beispielen, in denen der Immunologe mit Blick auf das Coronavirus falschgelegen haben soll. Aufgeführt werden demnach Äußerungen des Leiters des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) insbesondere zu Beginn der Pandemie.

Dort sprach sich Fauci unter anderem gegen das Tragen von Schutzmasken aus, bezeichnete das Risiko für die USA durch das Virus als begrenzt und stellte infrage, ob Menschen ohne Krankheitssymptome andere Menschen anstecken können. "Mehrere Offizielle des Weißen Hauses sind besorgt über die Anzahl der Male, in denen Dr. Fauci bei Dingen falschlag", heißt es laut US-Medien in der Erklärung, in denen Faucis frühere Äußerungen aufgelistet werden.

Die "New York Times" verweist allerdings auf Beispiele, in denen Äußerungen des bekanntesten Vertreters des Corona-Krisenstabs des US-Präsidenten nur unvollständig wiedergegeben werden. So hatte Fauci Ende Februar in einem Fernsehinterview zwar gesagt, derzeit müssten die Menschen ihren Alltag nicht umstellen. Zugleich warnte er aber, das Risiko für die USA sei derzeit gering, "aber das könnte sich ändern". Es gebe sogar die Gefahr eines "großen Ausbruchs".

Zu Beginn der Pandemie hatten zudem Gesundheitsexperten und Behörden in zahlreichen Ländern vor einer Schutzmasken-Empfehlung zurückgeschreckt - unter anderem aus Sorge, bei einem Ansturm auf Masken könnte es einen Mangel für Ärzte und Krankenpfleger geben.

Liste ähnelt einer Schmutzkampagne über politischen Gegner

US-Medien schreiben, das Vorgehen des Weißen Hauses gegen den 79-jährigen Virenexperten erinnere an Bemühungen, Informationen über politische Gegner zu sammeln, um ihnen zu schaden. Der Vorgang macht die wachsenden Spannungen zwischen Trump und Fauci deutlich.

Auch wenn der eher unauffällig erscheinende Wissenschaftler es nicht vermuten lässt: Mit Fauci hat Trump es nicht mit irgendeinem Berater zu tun. In seinen 36 Jahren als Institutsleiter hat Fauci bereits sechs US-Präsidenten beraten. Doch seine wiederholten Warnungen vor zu frühen Lockerungen der Corona-Beschränkungen sind Trump offenbar zu lästig geworden.

Die Infektionszahlen sind in den vergangenen Wochen entgegen allen Behauptungen Trumps zur Lage in den USA dramatisch in die Höhe geschnellt. Derzeit werden jeden Tag mehr als 60.000 Neuinfektionen registriert. Seit Beginn der Krise wurden bereits mehr als 3,3 Millionen Infektionen und mehr als 135.000 Todesfälle bestätigt - die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit.

Trump in Umfragen hinter Herausforderer Biden

Dennoch verweigert der US-Präsident das Tragen einer Maske, wo es ihm nur möglich ist, und heizt so den Kulturkampf um den Umgang mit dem Coronavirus in den USA weiter an. Fauci versucht immerzu, dem Verhalten des Präsidenten mit Ruhe und sachlichen Argumenten zu begegnen. Offene Kritik am Präsidenten hat sich der prominente Berater stets verkniffen.

Dennoch hat der Forscher inzwischen nicht nur eine Art Kultstatus, sondern seine nüchternen Klartext-Aussagen sind auch Wasser auf die Mühlen der politischen Gegner. Seit Monaten wird Trump für sein Krisenmanagement scharf kritisiert. Und längst scheint nicht nur Fauci nicht mehr zum Präsidenten durchdringen zu können: Ungeachtet der dramatisch hohen Corona-Zahlen in den USA pocht der Präsident auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, etwa Schulen mit dem Entzug staatlicher Mittel zu drohen, wenn sie den Betrieb nicht bald wieder aufnehmen.

Mit seinem ruppigen Umgang in der Pandemie macht sich der Präsident auch ohne seinen ständigen Mahner Fauci wohl wenig beliebt: Das wird mit ein Grund dafür sein, warum Trump in Umfragen für die Präsidentschaftswahl vom 3. November momentan hinter seinem Herausforderer Joe Biden liegt.

Quelle: ntv.de, joh/AFP

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