Politik

400.000 vertriebene Kinder Welle der Gewalt überrollt Mosambik

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Bereits vor einem Jahr gab es viele Geflüchtete in Camps in der Region von Cabo Delgado.

(Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP)

Enthauptungen, Vergewaltigungen, Entführungen: Brutale Angriffe in Mosambik sorgen für unglaubliches Leid und vertreiben tausende Menschen. Besonders Frauen und Kinder leiden unter der Terrormiliz Islamischer Staat und anderen islamistischen Rebellen im Norden des Landes.

Eine neue Welle der Gewalt hat fast 10.000 Menschen seit Anfang Juni in Mosambiks konfliktreicher Nord-Provinz Cabo Delgado in die Flucht getrieben. Unter den Betroffenen sind vor allem Frauen und Kinder, wie die Hilfsorganisation Save the Children mitteilte. Die Vertriebenen hätten Morde, Vergewaltigungen, Entführungen und andere Gewalttaten erfahren und mit ansehen müssen. Mindestens vier Menschen sollen bei den Angriffen enthauptet worden sein.

"Diese Angriffe stellen einen großen Rückschlag dar", sagte die Landesdirektorin von Save the Children in Mosambik, Brechtje van Lith: "Trotz der Bemühungen um Frieden in Cabo Delgado geht die Gewalt weiter. Diese neue Welle von Angriffen und Vertreibungen ist besonders besorgniserregend, da sie Kinder betrifft, die bereits entwurzelt waren und nun zum zweiten Mal Zeuge von Kämpfen werden."

Diesmal war nach Angaben von Save the Children vor allem der bislang von Angriffen verschont gebliebene Distrikt Ancuabe betroffen. Dort lebten viele Binnenflüchtlinge, die bereits vor Monaten aufgrund von Angriffen vertrieben worden waren. Die Vertriebenen hausten nun in Notunterkünften in benachbarten Distrikten unter "katastrophalen Bedingungen", ohne angemessenen Zugang zu Unterkünften, Toiletten, Kleidung und Nahrung.

EU bildet Streitkräfte aus

Im Norden Mosambiks - einer Region, in der der französische Energiekonzern Total an einem milliardenschweren Flüssiggasprojekt beteiligt ist - verüben islamistische Rebellen seit 2017 immer wieder brutale Angriffe. Im März 2021 wurde der Hafenort Palma von Extremisten überfallen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verkündete danach die Einnahme der Stadt. Dem UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge wurden Hunderttausende Menschen vertrieben, zahlreiche andere wurden getötet.

Die Zahl der durch den Konflikt in Cabo Delgado vertriebenen Kinder ist nach Angaben des Ministeriums für Geschlechterfragen, Kinder und soziale Wohlfahrt von 370.000 auf über 400.00 gestiegen. Nach einer längeren Ruhephase ist es in den vergangenen Wochen wieder zu gewalttätigen Übergriffen in der Krisenregion gekommen. Präsident Nyusi hatte erst im September erklärt, alle von Aufständischen gehaltenen Bezirke in Cabo Delgado seien zurückerobert.

Die Europäische Union hatte im vergangenen Juli einen Militäreinsatz beschlossen, bei dem Soldaten aus EU-Staaten mosambikanische Streitkräfte ausbilden sollen. Die Ausbilder stellt vor allem die frühere Kolonialmacht Portugal.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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