Politik

Französische Präsidentenwahl Wie viele Linke wählen Le Pen?

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Will französische Präsidentin werden: Marine Le Pen vom Front National.

(Foto: REUTERS)

Noch vier Tage, dann entscheidet sich, wer in den Élysée-Palast einzieht. Es wird knapp. Vor allem viele linke Wähler hadern mit Macron, nicht wenige könnten am Sonntag für Le Pen stimmen.

Heute Abend um 21 Uhr stehen sich die beiden verbliebenen Kandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen im TV-Duell gegenüber. Kurz vor der Wahl hat der gemäßigte Macron einen leichten Vorteil. Der jüngsten Umfrage zufolge liegt der frühere Wirtschaftsminister bei 59 Prozent, Le Pen bei 41. Nach der ersten Wahlrunde war Macrons Vorsprung noch größer gewesen. Das Rennen um den Élysée-Palast ist nach wie vor spannend. Das liegt daran, dass Macron vor allem bei linken Wählern einen schweren Stand hat.

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Heute Abend treffen sich Le Pen und Macron zum TV-Duell.

(Foto: AP)

In Frankreich ist es üblich, dass unterlegene Präsidentschaftskandidaten vor der Stichwahl eine Empfehlung aussprechen. Die spannende Frage wird deshalb sein: Für wen werden die Wähler von François Fillon, Jean-Luc Mélenchon und Benoît Hamon ihr Kreuz machen? Der Konservative Fillon und der Sozialist Hamon riefen nach ihrer Niederlage zur Wahl Macrons auf. Umfragen zufolge werden etwa 20 bis 30 Prozent der Fillon-Wähler zu Le Pen wechseln, die Mehrheit aber zu Macron. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Mehrheit der Wähler dem Empfehlungen nachkommen wird.

Bei der französischen Linkspartei und ihrem Spitzenkandidaten Mélenchon, für den in der ersten Runde immerhin sieben Millionen Franzosen (19,58 Prozent) gestimmt hatten, ist die Lage komplizierter. Im Gegensatz zu Fillon und Hamon machte Mélenchon nach dem ersten Wahlgang zunächst keine Ansage an seine Wähler. Erst fünf Tage später äußerte er sich etwas konkreter. "Ich würde nicht den Front National wählen, ich bekämpfe den Front National", sagte der 65-Jährige. Aber zur Wahl Macrons rief er trotzdem nicht auf.

Er wolle keine Empfehlung abgeben, erklärte Mélenchon und kritisierte Macron. "Warum kommt er uns nicht entgegen?" Mélenchon wirft dem 39-Jährigen unter anderem vor, seine Pläne zur Reform des Arbeitsgesetzes nicht zurückzuziehen. Macron gehe ein Risiko ein, "indem er sich so verhält, wie er es tut". Mélenchons Sprecher beklagte: "Wir bedauern, dass wir uns nun hinter eine neoliberale Politik stellen sollen, die Frankreich und Europa ausbluten lässt."

Le Pen macht Angebote

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Zwischen den Wählern Le Pens und denen von Mélenchon gibt es durchaus inhaltliche Schnittmengen.

(Foto: REUTERS)

Gut möglich, dass einige Mélenchon-Wähler am Sonntag für Le Pen stimmen werden. Bei einer Online-Abstimmung von Mélenchons France-Insoumise-Bewegung sprachen sich nur 35 Prozent dafür aus, für Macron zu stimmen. Die meisten der insgesamt 245.000 Teilnehmer wollen demnach die Wahl boykottieren - entweder durch eine ungültige Stimme oder durch Abstinenz. Eine begrenzt aussagekräftige Umfrage, denn die Wahl Le Pens stand bei der Abstimmung nicht zur Auswahl.

Viele linke Wähler tun sich schwer bei der Wahl des vermeintlich kleineren Übels. Bei allen Aversionen steht ihnen die Rechte Le Pen in vielerlei Hinsicht sogar näher als der Wirtschaftsliberale und Ex-Banker Macron. Die Unzufriedenheit über das politische System, über die wirtschaftliche Lage und die Europäische Union: Inhaltlich sind die Schnittmengen mit Politikerin des rechten Front National ohnehin größer als mit Macron, der als Kandidat des Systems gebrandmarkt ist. Le Pen bemüht sich deshalb gezielt um die Anhänger Mélenchons. Auf Flugblättern nennt sie sieben Wahlversprechen von ihm, die sie als Präsidentin umsetzen will, darunter der Nato-Ausstieg, die Rente mit 60 und ein Leiharbeiter-Verbot.

Die Zerrissenheit der französischen Linken spiegelt sich auch in Deutschland wider. In der Linken-Bundestagsfraktion gibt es nicht wenige Abgeordnete, die die Wahl Macrons präferieren. Für sie zählt vor allem, Le Pen um jeden Preis zu verhindern. Macrons neoliberale Politik müsse zwar deutlich kritisiert werden, sagte Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken. "Trotzdem ist sie aber längst nicht so gefährlich wie die Politik von Frau Le Pen."

Aber nicht alle in der Partei sehen das so. Bei einigen Linksparteipolitikern ist die Abneigung gegen Macron so groß, dass sie sich nicht für ihn aussprechen wollen. Das gipfelte schließlich in einer zwiespältigen Empfehlung der Parteispitze. Linkspartei-Chef Bernd Riexinger rief zwar zur Wahl Macrons auf. Dennoch räumte er gleichzeitig ein: "Emmanuel Macron wird den Sozialabbau forcieren. Das muss gestoppt werden."

Quelle: n-tv.de, cro

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