Politik

"Fabriken des 21. Jahrhunderts"Wildberger: Rechenzentrum-Ziel wird wahrscheinlich übertroffen

18.03.2026, 15:42 Uhr
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Reiche und Wildberger konkretisierten ihre Pläne am frühen Nachmittag. (Foto: IMAGO/Political-Moments)

Bis 2030 soll es in Deutschland doppelt so viele Rechenzentren wie aktuell und eine vierfache KI-Kapazität geben. Diesen Plan stellt Digitalminister Wildberger gestern vor, heute legt er nach. Der Digitalverband Bitkom sieht dennoch keinen großen Wurf.

Die Bundesregierung gibt sich zuversichtlich, ihre mit der neuen Rechenzentrumsstrategie verbundenen Ziele übertreffen zu können. "Wir hauen da jetzt nicht nur eine Zahl raus", sagte Digitalminister Karsten Wildberger. Es gebe eine hohe Nachfrage, neue Rechenzentren zu bauen. Ziel der Regierung ist es, die Kapazitäten für Rechenzentren bis 2030 mindestens zu verdoppeln und die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz (KI) mindestens zu vervierfachen.

Das Kabinett beschloss die entsprechende Strategie, die 28 Einzelmaßnahmen umfasst, am Morgen. Sie sollen in den nächsten zwölf Monaten gestartet und, soweit möglich, schon abgeschlossen werden. Teil der Strategie ist es, Freiflächen zu finden, die für Investoren attraktiv sind. Außerdem soll die Gewerbesteuer künftig dort anfallen, wo das Rechenzentrum steht, und nicht, wo der Firmensitz ist. Auch sollen die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.

"Rechenzentren sind - ganz einfach gesagt - die Fabriken des 21. Jahrhunderts", so Wildberger. Sie könnten Daten im großen Stil verarbeiten, was für immer mehr Prozesse in der Wirtschaft wichtig sei. Deutschland sei in Europa führend. Allerdings sei der Strompreis zu hoch.

Wachstum "reicht nicht"

Der Digitalverband Bitkom sprach von einem wichtigen Signal, aber keinem großen Wurf. Die Strategie sei an zu vielen Stellen vage und biete nur allgemeine Absichtserklärungen. "Es muss jetzt also zunächst einmal darum gehen, die angekündigten Maßnahmen konkret auszugestalten und dann zügig umzusetzen", so Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. "Die Leistung der deutschen Rechenzentren ist 2025 auf 2980 Megawatt gewachsen und soll bis 2030 über 5000 Megawatt erreichen. Im internationalen Vergleich reicht dieses Wachstum jedoch nicht aus." Die USA verfügten bereits 2024 über 16-mal so viel wie Deutschland Anfang 2026. "Allein die zehn größten US-Rechenzentren bringen zusammen so viel Leistung auf wie alle rund 2000 Rechenzentren in Deutschland zusammen." Auch China baue seine Kapazitäten massiver aus als Deutschland und Europa.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, Rechenzentren würden die KI-Zeit prägen und dort entstehen, wo ausreichend Strom verfügbar sei. Angesprochen auf Forderungen, dass Rechenzentren vom subventionierten Industriestrompreis profitieren sollten, sagte Reiche, hier habe sie wegen strenger EU-Vorgaben keinen Spielraum.

Neue Rechenzentren sollten dort gebaut werden, wo es genug Wasser und erneuerbare Energien gibt, wie Umweltminister Carsten Schneider erklärte. "Fair wäre auch, wenn die Rechenzentren ihre Abwärme kostenlos ins Wärmenetz abgeben, damit die Anwohner günstiger heizen können. Dafür wird die Bundesregierung die richtigen Rahmenbedingungen setzen."

Quelle: ntv.de, mpa/rts

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