Politik

n-tv Frühstart mit Aminata Touré "Wir haben ein großes Rassismus-Problem"

Aminata Touré ist die erste schwarze Landtagsvizepräsidentin in Deutschland. Bei n-tv kritisiert sie scharf Politiker der AfD: "Die sind mit Antisemiten und Rassisten unterwegs."

Die Vizepräsidentin des Landtages in Schleswig-Holstein fordert nach dem Attentat in Halle von der Politik mehr Engagement im Kampf gegen Rassismus. "Wir haben ein großes Rassismus-Problem in Deutschland", sagt Aminata Touré im n-tv Frühstart. Gerade schwarze Menschen würden viel Rassismus in Deutschland erfahren. Es gebe viele Studien, die das belegten, so die 26-jährige Grünen-Politikerin weiter.

Scharf kritisiert Touré die AfD: "Den Angriff, den die AfD startet, betrifft auch Menschen wie mich." Tourés Eltern waren 1991 aus dem westafrikanischen Mali geflohen. Als Kind von Geflüchteten sehe sie sich als jemand, der Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund vertrete. "So viel mehr Menschen müssen mitbekommen, was die Rassisten und in Teilen auch Faschisten von der AfD im Parlament sagen", sagt Touré. Für sie stelle sich die Frage gar nicht, ob man die Partei einbinden solle. "Die Funktionäre dieser Partei wissen genau, was sie tun. Die sind mit Antisemiten und Rassisten unterwegs", sagt sie. Wenn man sich von diesem nicht abgrenzen könne, sei das sehr problematisch für ein demokratisches System.

Dass es auch Antisemitismus unter Flüchtlingen aus arabischen Ländern gebe, will Touré nicht leugnen. "Dieses Problem sollte man aber nicht getrennt betrachten, sondern als ganzheitliches." Gerade in Deutschland könne schwer die Rede von einem importierten Problem sein, sagt sie. "Jegliche Form von Antisemitismus ist zu verurteilen."

"Nichts, was ich die nächsten 50 Jahre machen will"

Dafür arbeitet Touré zurzeit an einem "Aktionsplan gegen Rassismus in Schleswig-Holstein", dem sie sich die nächsten zweieinhalb Jahre widmen will. Was sie danach mache, wisse sie noch nicht. Der Beruf als Politikerin gehe mit sehr viel Arbeit und Verpflichtungen einher. "Das ist nichts, was ich die nächsten 50 Jahre machen will", sagt sie.

Dennoch wünscht sie sich, dass mehr junge Leute den Schritt in die Politik wagen. Sie habe sich für die Karriere bei den Grünen entschieden, weil sie es wichtig finde, "für bestimmte Themen zu streiten".

Die studierte Politikwissenschaftlerin zog mit 24 Jahren als jüngste und erste schwarze Abgeordnete in den schleswig-holsteinischen Landtag ein. Seit Ende August ist Aminata Touré zudem Landtagsvizepräsidentin und leitet Plenarsitzungen.

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Quelle: n-tv.de, hny

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