Politik

Füllstände steigen laut Minister Habeck: Abhängigkeit von russischem Gas sinkt

Stück für Stück will die Bundesregierung auf russische Gaslieferungen verzichten. Wirtschaftsminister Habeck spricht nun von Erfolgen: Der Anteil der Importe aus Russland sei auf 35 Prozent gesunken. Auch habe der Lieferstopp nach Polen und Bulgarien derzeit keine Auswirkungen auf Deutschland.

Deutschland hat seine Abhängigkeit von russischem Erdgas weiter verringert. Lag der Anteil russischer Lieferungen im vergangenen Jahr noch bei 55 Prozent, ist er laut Wirtschaftsminister Robert Habeck auf mittlerweile 35 Prozent gesunken. Im März lag dieser Wert noch bei 40 Prozent. Habeck sprach von "erfolgreichen Schritten".

Nach früheren Angaben soll der Anteil bis zum Jahresende auf etwa 30 Prozent gesenkt werden, vor allem durch den Ankauf von verflüssigtem Erdgas (LNG). Man arbeite mit Hochdruck daran, LNG-Terminals zu errichten, sagte Habeck. Bis Sommer 2024 soll der Anteil auf 10 Prozent zurückgehen.

Derweil hat die Einstellung der russischen Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien nach Angaben der Bundesregierung bislang keine Auswirkungen auf die Versorgung in Deutschland. "Derzeit ist die Versorgungssicherheit hier gewährleistet", teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Die Gasflüsse seien alles in allem stabil. Auch die Speicher füllten sich seit dem 18. März wieder langsam. Die Füllstände lägen bei 33,5 Prozent. Die Lage werde aber sehr genau beobachtet.

Russland nutze Energie als Waffe

"Europa wird solidarisch zusammenstehen und die Gasversorgung weiter diversifizieren", sagte Habeck. "Ziel in der Europäischen Union ist es, sich so schnell wie möglich unabhängig von russischen Energieimporten zu machen." Die Versorgungslage in Polen und Bulgarien sei derzeit stabil, da beide Länder andere Versorgungsquellen etwa über Flüssiggas nutzen könnten. Auch die Versorgungslage in anderen europäischen Ländern werde engmaschig beobachtet.

Beim russischen Gaslieferstopp in Polen und Bulgarien sei "Energie als Waffe" eingesetzt worden, sagte Habeck. Man dürfe nicht wehrlos sein, wenn dies geschehe. Entsprechend seien eine Diversifizierung und eine Erneuerung der Energie-Infrastruktur auf der Basis von erneuerbaren Energien sowie große Einsparungen nötig. "Ein Abriss der Gaslieferungen zum jetzigen Zeitpunkt würde die deutsche Wirtschaft in eine Rezession treiben", sagte Habeck. Prognosen sagten für diesen Fall ein Schrumpfen um 0,5 bis 6,5 Prozent voraus.

Unterdessen sieht Bundesfinanzminister Christian Lindner derzeit keine Hinweise auf eine Einschränkung der Energielieferungen aus Russland. "Es gibt keine Anzeichen, dass es von russischer Seite zu einem Lieferstopp kommt", sagte Lindner mit Blick auf die russischen Gaslieferungen.

Hintergrund der Liefereinstellungen Russlands nach Polen und Bulgarien sind die Modalitäten für die Bezahlung. Russland hatte angeordnet, dass nur noch in Rubel gezahlt werden darf. Deutschland sowie die anderen europäischen Länder halten aber aus Gründen der Vertragstreue daran fest, dass die Verträge der Unternehmen weiterhin in Euro bedient werden. Habeck betonte, dass die privatrechtlichen Verträge weiter gelten würden. "Die Zahlungen erfolgen weiter in Euro und Dollar." Offen sei, wie Russland sein Dekret über Gaszahlungen interpretiere und anwende.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen