Politik

Landkarte der Emotionen Wo Angst und Zweifel Europa beherrschen

Welches Gefühl kommt Ihnen zuerst in den Sinn, wenn Sie an Europa denken? Diese Frage stellt das Europaparlament vor der Wahl fast 26.000 Menschen in 27 EU-Staaten. Die Antworten beleuchten das Spannungsfeld, in dem sich das Projekt Europa bewegt.

Klimakrise, Migration, Rechtspopulismus, Brexit: Die Bandbreite der Gefühle, die das politisch-historische Großprojekt der Europäischen Union vor den Wahlen zum EU-Parlament hervorruft, ist enorm. Wie groß die Unterschiede in der psychologischen Landkarte der europäischen Emotionen ausfallen, lässt sich an den Ergebnissen einer speziellen Vorwahlbefragung im Rahmen des Eurobarometer ablesen. Die Umfrage vom April 2019 in 27 der bislang noch 28 EU-Staaten ohne Großbritannien zeigt deutlich: Mit der EU assoziieren ihre Bürger überwiegend positive Stimmungslagen. Der Prozess der europäischen Einigung weckt zugleich aber auch große Zweifel, die von EU-Land zu EU-Land unterschiedlich stark zur Geltung kommen.

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Die Kernfrage der Meinungsforscher lautete, welches der vier Gefühle - Hoffnung, Zuversicht, Angst, Zweifel - der Gedanke an die EU zuerst hervorruft. Danach befragt, entschied sich in 24 der 27 Teilnehmerländer eine Mehrheit der insgesamt 25.258 Teilnehmer für eines der beiden positiven Gefühle, also für Hoffnung oder Zuversicht, während das Lager der Ängstlichen und Zweifler in der Minderheit blieb.

Lediglich in drei Ländern überwog mit Angst, Zweifel und den Unentschlossenen alles in allem die Gruppe der eher negativen Emotionen: Diese drei Staaten, in denen nagende EU-Unsicherheit eine etwaige EU-Begeisterung überwiegt, sind der Eurobarometer-Umfrage zufolge Tschechien, Griechenland und Zypern. Wie die Briten emotional zu Europa stehen, blieb bei der Befragung außen vor. Zum Zeitpunkt der Erhebung steuerte Großbritannien noch auf den lang geplanten Stichtag zum EU-Austritt zu. Angesichts der laufenden Brexit-Verhandlungen wurden die Bürger im Vereinigten Königreich vorerst nicht mehr zum Eurobarometer befragt. Dass sie schließlich doch noch einmal an der Europawahl teilnehmen würden, war da noch nicht absehbar.

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Besonders auffällig: Klare regionale Muster lassen sich aus der EU-Karte der Emotionen auf Länderebene nicht herauslesen. In der soziodemografischen Perspektive jedoch werden dominierende Einflüsse erkennbar. Eine große Rolle spielt etwa, ob die Befragten im ländlichen Raum oder in großen Städten leben.

Während in dörflichen Gegenden Zweifel (37 Prozent) und Angst (6 Prozent) insgesamt häufiger genannt werden, sind es im großstädtischen Lebensumfeld eher Hoffnung und Vertrauen. Kein großer Faktor scheint hingegen das Geschlecht der Befragten zu sein, auch wenn das Vertrauen in die EU und die positiven Gefühle bei Männern minimal größer ausfielen und Frauen Europa tendenziell skeptischer zu beurteilen scheinen.

Deutlich erkennbar ist zudem: Auch wenn in der großen Mehrzahl der Länder insgesamt die positiven Emotionen im Vordergrund stehen, war "Zweifel" in 13 von 27 Ländern das stärkste der vier abgefragten Einzelgefühle, also in fast jedem zweiten Land. In Polen lagen Zweifel und Hoffnung prozentual gleichauf. In acht Ländern war dagegen "Vertrauen" die vorherrschende Emotion in Bezug auf die EU, in fünf war es "Hoffnung". Auch im EU-Schnitt bleibt der Zweifel das stärkste Gefühl, mit 33 Prozent wurde es von jedem dritten EU-Bürger als stärkste Assoziation benannt - vor Hoffnung (28 Prozent) und Vertrauen (27 Prozent).

Immerhin: Zuerst an "Angst" denkt beim Stichwort EU nur jeder 20. Befragte. Die niedrigsten Werte wurden dabei mit 2 Prozent in Lettland ermittelt, der höchste in Zypern - mit 11 Prozent das einzige Land mit einem zweistelligen Wert in dieser Kategorie. Weitaus größer ist die Spanne bei den übrigen Kategorien: "Hoffnung" kommt in Rumänien auf 40 Prozent und nur auf 15 Prozent in Litauen. Im Fall der Zweifel reicht die Spanne vom Maximalwert 51 Prozent in Tschechien zu 17 Prozent in Irland. Dort wiederum wurde mit 51 Prozent der höchste Wert für Vertrauen gemessen, der geringste mit 16 Prozent in Kroatien.

Anhand der Daten aus dem Eurobarometer lässt sich die EU-Landkarte der Emotionen in verschiedene Detailsansichten aufschlüsseln. Die folgenden vier Einzelkarten etwa zeigen, auf welche Werte die vier abgefragten Gefühlsantworten in den 27 teilnehmenden EU-Staaten genau kamen:

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Quelle: n-tv.de, cwo

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