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Kabinett erzielt Einigung Wolfsabschüsse sollen einfacher werden

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Wo der Wolf in Deutschland auftaucht, sorgt er sowohl für Begeisterung als auch für Verärgerung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Wolf breitet sich in Deutschland seit Jahren aus. Das sorgt bei vielen für Angst und Unmut. Das Kabinett will nun den Abschuss von Wölfen erleichtern. Agrarministerin Klöckner aber kritisiert den mühsam erarbeiteten Kompromiss schon wieder und will auch präventiv Wölfe "entnehmen".

Nach langem Ringen hat sich die Bundesregierung auf einen leichteren Abschuss von Wölfen geeinigt. Dieser soll nun auch dann möglich sein, wenn zum Beispiel unklar ist, welches Tier genau eine Schafherde angegriffen hat. Es können so lange Wölfe geschossen werden, bis es keine Schäden mehr gibt, auch wenn damit ein ganzes Wolfsrudel getötet wird. Die Behörden müssen aber jeden Fall genehmigen, es gibt zeitliche und räumliche Grenzen.

Außerdem soll das Füttern und Anlocken wilder Wölfe ausdrücklich verboten werden, damit sie sich nicht an die Nähe von Menschen gewöhnen. Mischlinge aus Wolf und Hund, sogenannte Hybriden, sollen geschossen werden. Agrarministerin Julia Klöckner von der CDU erklärte, angesichts der "rasch zunehmenden Wolfspopulation und den damit ebenfalls zunehmenden Nutztierrissen" halte ihr Ministerium weitere Schritte für nötig.

Klöckner will nicht nur reagieren

Sie will die "Entnahme einer begrenzten und behördlich spezifizierten Anzahl von Wölfen unter strenger Kontrolle, selektiv und in beschränktem Ausmaß" zulassen, auch wenn es keine Schäden an Nutztieren gab - sprich, der Abschuss soll auch vorbeugend ermöglicht werden, nicht erst als Reaktion auf Schäden. Änderungen könnten nun im parlamentarischen Verfahren erfolgen, teilte das Agrarministerium mit.

Der jagdpolitische Sprecher der FDP, Karlheinz Busen, wirft der Bundesregierung vor, die Einigung diene einzig dem Koalitionsfrieden. Kurz vor der Wahl würden die Menschen beruhigt, ihnen sei mit dem Gesetzesentwurf aber nicht geholfen. Er fordert wolfsfreie Zonen und eine Beweislastumkehr beim Nachweis von Wolfsrissen.

Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD und Agrarministerin Julia Klöckner hatten über den Gesetzesentwurf monatelang gestritten, zuletzt hatte das Kanzleramt vermittelt. Bei Berufsschäfern waren die Pläne der Bundesregierung, den Abschuss von auffälligen Wölfen zu vereinfachen, auf Zustimmung gestoßen. Jagd- und Bauernverbände hatten weitergehende Regulierungen gefordert, der BUND kritisierte den Entwurf.

Wolf breitet sich aus

Der ehemals ausgerottete Wolf breitet sich in Deutschland seit Jahren wieder aus: Im Jahr 2000 wurden in Sachsen erstmals wieder freilebende Wolfswelpen geboren. Bis heute hat Sachsen neben Brandenburg und Niedersachsen eine der größten Wolfspopulationen. Insgesamt breiten sich die Tiere vor allem im Nordosten Deutschlands aus. Aber auch etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden sie schon gesichtet.

Nach offiziellen Angaben leben in Deutschland insgesamt 59 Wolfsrudel, 2 Paare und 4 Einzeltiere. Rudel bestehen meist aus zwei erwachsenen Elterntieren und ihrem Nachwuchs der vorangegangenen zwei bis drei Jahre. Die Tiere sind streng geschützt und dürfen nur in sehr eng definierten Grenzen und nur in Ausnahmefällen gejagt werden. Größter Feind des Wolfes ist der Straßenverkehr - Dutzende Tiere sterben jedes Jahr bei Unfällen. Seit dem Jahr 2000 wurden außerdem mindestens 37 Tiere illegal getötet, Experten gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

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Quelle: n-tv.de, lwe/dpa/AFP

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