Politik

Kritik nach Evakuierungseinsatz Wüstner: Merkel-Regierung nur "bedingt strategiefähig"

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Bundeswehrverband-Chef Wüstner: "Da ist einiges zu tun."

(Foto: picture alliance / Jörg Carstensen/dpa)

Die Bundesregierung steht nach der dramatischen Evakuierung aus Kabul in der Kritik. Der Chef des Bundeswehrverbands bemängelt etwa Probleme bei Absprachen zwischen den Ressorts. Angesichts der Lage in Afghanistan hält er die Regierung nur für "bedingt strategiefähig".

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, André Wüstner, hat der Bundesregierung mit Blick auf die Lage in Afghanistan vorgeworfen, nur "bedingt strategiefähig zu sein". Im Interview mit den ARD-"Tagesthemen" sagte Wüstner, die Lehre aus den vergangenen Jahren sei, dass es "unwahrscheinliche Probleme" gebe, etwa bei der Koordination zwischen den Ressorts. "Da ist einiges zu tun und ich hoffe, das gelingt in der nächsten Regierung."

An dem Problem der Evakuierung von Ortskräften werde deutlich, "dass die Ressorts nur begrenzt miteinander sprechen, nicht in der Lage sind, seit April schnell ein Konzept zu erstellen". "Das geht so nicht", sagte Wüstner auch mit Blick auf das Engagement im Irak und in der Sahelzone. Es habe im Vorfeld "eine Vielzahl von Warnungen" gegeben. "Warum man das nicht aufgenommen hat, ist mir ein Rätsel."

Auf die gestrige Regierungserklärung von Angela Merkel eingehend sagte Wüstner in der Sendung, er sei dankbar, dass die Bundeskanzlerin die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten angesprochen hätte, "insbesondere derjenigen, die jetzt für die Bundesregierung die Kohlen aus dem Feuer holen". Viele Soldatinnen und Soldaten sind laut Wüstner, "wütend, frustriert aufgrund der chaotischen Zustände" und mit Blick auf die Tatsache, dass vielleicht noch Freunde in Afghanistan seien, etwa "Ortskräfte, die man kennengelernt hat".

Unter dramatischen Umständen hat die Bundeswehr mittlerweile ihre Luftbrücke aus der afghanischen Hauptstadt Kabul beendet. Nach Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wurden 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4000 Afghanen. Nun haben alle deutschen Soldaten, Diplomaten und Polizisten das Land verlassen.

Quelle: ntv.de, kst/AFP/dpa

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