Politik

Syrien ist Hauptherkunftsland Zahl der Asylanträge deutlich gesunken

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Die Zahlen der Anträge asylsuchender Menschen gehen laut Minister schon das vierte Jahr in Folge zurück.

(Foto: picture alliance / arifoto UG/Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa)

Im Jahr 2020 werden in Deutschland gut 40.000 Asylanträge weniger gestellt als im Vorjahr. Die Corona-Krise macht Reisen sowie Grenzübertritte zeitweise unmöglich. Doch Bundesinnenminister Seehofer sieht die Pandemie nicht als alleinigen Grund für den Rückgang.

Im vergangenen Jahr haben in Deutschland viel weniger Menschen einen Asylantrag gestellt als im Vorjahr. Nach Einschätzung von Bundesinnenminister Horst Seehofer liegt das nicht nur an der Corona-Pandemie, die Reisen und Grenzübertritte seit dem Frühjahr 2020 deutlich erschwert.

Wie das Innenministerium mitteilte, ist im vergangenen Jahr für 102.581 Ausländer erstmals ein Asylantrag in Deutschland gestellt worden. Darunter sind 26.520 Anträge auf Schutz, die in Deutschland geborene Kinder im Alter von unter einem Jahr betreffen. 2019 waren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 142.509 Asylerstanträge eingegangen.

Bei Menschen - Kinder, Jugendliche oder Erwachsene -, die nach Deutschland eingereist sind und Asyl beantragt haben, spricht das Ministerium seit einiger Zeit von "förmlichen grenzüberschreitenden Asylanträgen". Die Hauptherkunftsländer dieser Menschen waren im vergangenen Jahr Syrien (25.373), Afghanistan (8051) und der Irak (7355). Bei 2878 der neu ins Land gekommenen Schutzsuchenden gilt die Herkunft als ungeklärt.

Deutschland habe vielen Menschen in Not geholfen und sie aufgenommen, sagte Seehofer. Gleichzeitig sei die Zahl der Asylbewerber erneut stark gesunken. "Der Rückgang der Asylanträge in 2020 ist aber nicht allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, denn die Zahlen sinken schon das vierte Jahr in Folge", bilanzierte der CSU-Politiker. Das zeige: "Unsere Maßnahmen zur Steuerung der Migration wirken. Wir sind auf dem richtigen Weg."

Pro Asyl: "Deutschland hat Platz"

Mit über 100.000 Asylbewerbern sei die Zahl derjenigen, die in Deutschland 2020 Aufnahme begehrt hätten, immer noch zu hoch, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg - zumal der Rückgang stark durch die Pandemie beeinflusst sei. "Vor allem die Sekundärmigration - also das Weiterwandern quer durch Europa nach Deutschland - bleibt ein Kernproblem", sagte der CDU-Politiker. Die Reform des EU-Asylsystems bleibe deshalb auf der Tagesordnung.

Pro Asyl kommentierte: "Diese geringen Zugangszahlen sind eine Folge der rigorosen Grenzabriegelung Europas." Die griechisch-türkische Landgrenze, die ungarische und kroatische EU-Außengrenze seien systematisch abgeriegelt worden. Schutzsuchende säßen bei winterlichen Temperaturen in Bosnien im Elend fest, ohne eine Perspektive auf Schutz. Dabei zeigten die aktuellen Asylzahlen: "Deutschland hat Platz."

Quelle: ntv.de, chf/dpa