Politik

Unter Angehörigen der Bundeswehr Zahl der Kriegsdienstverweigerer fast verfünffacht

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Seit Aussetzung der Wehrpflicht sind Kriegsdienstverweigerer ausschließlich Menschen, die bereits bei der Bundeswehr Dienst tun.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine schnellt innerhalb der Bundeswehr die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in die Höhe. Für das vergangene Jahr zählen die Behörden 951 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung. Viele begründen ihre Entscheidung damit, nicht mit einem Waffengang gerechnet zu haben.

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer bei der Bundeswehr hat sich einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs im Vergleich zum Jahr 2021 fast verfünffacht. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und beruft sich auf einen Sprecher des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Demnach seien im Jahr 2021 insgesamt 201 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben eingegangen, im Jahr 2022 seien es insgesamt 951 Anträge gewesen.

Seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 sind Kriegsdienstverweigerer ausschließlich Menschen, die bereits bei der Bundeswehr Dienst tun. Dem Bericht des RND zufolge begründen viele Kriegsdienstverweigerer ihre Anträge angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und einer möglichen Eskalation damit, nicht mit einer kriegerischen Auseinandersetzung gerechnet zu haben.

Im September hatte eine Sprecherin des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr laut dem RND-Bericht zudem erklärt, dass "die tatsächlichen Bewerberzahlen für den militärischen Dienst in der Bundeswehr seit Anfang 2022 rückläufig" seien.

Der Politische Geschäftsführer der "Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen", Michael Schulze von Glaßer, forderte gegenüber dem RND einen "einfachen Ausweg" für Soldaten aus der Armee, "die in dieser sicherheitspolitisch brisanten Zeit zu der Erkenntnis kommen, doch nicht auf andere Menschen schießen und sie töten oder verletzen zu wollen".

"Viele der heutigen Bundeswehr-Angehörigen wurden mit Werbeversprechungen in die Armee gelockt, die mit der Realität nichts zu tun haben", sagte er. "Nun sind viele unzufrieden, und es ist nachvollziehbar, dass sie die Armee verlassen wollen."

Quelle: ntv.de, jpe/AFP

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