Politik
Die Demonstranten errichteten Barrikaden gegen die Polizei.
Die Demonstranten errichteten Barrikaden gegen die Polizei.(Foto: dpa)
Samstag, 21. April 2018

Proteste gegen Rentenreform: Zehn Tote bei Ausschreitungen in Nicaragua

Seit Tagen demonstrieren in Nicaragua vor allem junge Menschen gegen eine Sozialreform - und die neoliberale Politik von Präsident Ortega. In mehreren Städten eskaliert die Situation, zehn Menschen sterben. Jetzt kündigt der Präsident Gespräche an.

Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten sind in Nicaragua mehrere Menschen ums Leben gekommen. Bislang seien mindestens zehn Menschen gestorben, sagte Vizepräsidentin Rosario Murillo und kündigte Gespräche an. Bei den seit Mittwoch andauernden Protesten gegen eine Reform der Sozialversicherung kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Nach Polizeiangaben wurden dabei auch insgesamt mehr als 50 Menschen verletzt, Murillo sprach zudem von zwei schwerverletzten Polizisten.

Demonstranten schleuderten am Freitag in der Hauptstadt Managua Steine auf die Beamten und errichteten Barrikaden - die Sicherheitskräfte antworteten mit in die Menge gefeuerten Gummigeschossen. Laut der Zeitung "La Prensa" sind es vor allem Studenten, die gegen die Reformen protestieren. Sie versammelten sich in der Kathedrale Metropolitana, wo Wasser verteilt und erste Hilfe geleistet wurde. Nachmittags soll die Kathedrale von der Nationalpolizei umstellt worden sein. Vier Menschen starben laut "La Prensa" bei den Krawallen am Freitag, darunter auch ein 15-jähriger Schüler. Am Donnerstag waren bereits drei Menschen getötet worden.

Grund für die Demonstrationen ist die Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge um bis zu 22,5 Prozent für mehr als 700.000 Beschäftigte. Es sind die bislang heftigsten sozialen Proteste gegen die Regierung von Präsident Daniel Ortega. Ortegas Stellvertreterin - die gleichzeitig seine Ehefrau ist - kündigte nun an, dass der Präsident die Einladung von Wirtschaftsvertretern zu Gesprächen annehmen werde. Er will sich im Laufe des Tages gemeinsam mit den Chefs von Polizei und Armee an die Bevölkerung wenden.

Der frühere Rebellenkommandeur hatte bereits nach dem Sieg der sandinistischen Revolution von 1985 bis 1990 regiert und war 2007 an die Macht zurückgekehrt. Von seinen sozialistischen Idealen hat Ortega sich aber längst verabschiedet und fährt mittlerweile einen eher neoliberalen Wirtschaftskurs. Kritiker werfen ihm vor, eine autoritäre Familiendynastie an der Staatsspitze zu etablieren und öffentliche Gelder über dunkle Kanäle in die Taschen seines Clans zu leiten.

Quelle: n-tv.de