Politik

Rosenkränze an den Grenzen Zehntausende beten für "Rettung Polens"

c4fa1c10c458b0bf86e1f9f33c6d1703.jpg

Beten, damit Europa vor dem Islam verschont bleibt?Jungen mit Rosenkranz am Strand von Danzig.

(Foto: AP)

Am Jahrestag einer Seeschlacht, die angeblich "Europa vor der Islamisierung" rettete, besinnen sich Zehntausende Polen auf ihr Christentum. Sie beten an den Grenzen, "damit Europa Europa bleibt".

Zehntausende polnische Katholiken haben an den Außengrenzen des Landes Menschenketten gebildet und Gott um die "Rettung Polens und der Welt" gebeten. Die Gläubigen folgten einem Aufruf der Stiftung Solo Dios Basta. Zu der Aktion "Rosenkranzgebet an den Grenzen" hatte auch die polnische Bischofskonferenz eingeladen. Gegner sprachen von einer "islamophoben Aktion".

Die Bischöfe bezeichneten die Kundgebungen an der gut 3500 Kilometer langen Landesgrenze als Massen-Gebet für den Weltfrieden. Die Kritiker sahen die Aktion hingegen als gegen Muslime gerichtet.

In einer live im ultrakatholischen Sender Radio Maryja übertragenen Messe erklärte Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski, er bete "für die anderen europäischen Nationen, damit sie die Notwendigkeit verstehen, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren, damit Europa Europa bleibt."

Mehr als tausend Menschen nahmen in der Kirche der Ortschaft Koden an der Grenze zu Weißrussland an einer Messe teil. Der 64-jährige Adam Hernik, der mit dem Reisebus aus seiner Diözese eintraf, sagte: "Ich kenne die Muslime nicht, aber wir dürfen sie nicht in unser Land lassen. Dann haben wir unsere Ruhe."

Die Aktion fand an dem am 7. Oktober begangenen Fest "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" statt, das seit der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 gefeiert wird. Damals besiegte die christliche Flotte die muslimische Übermacht und rettete damit "Europa vor der Islamisierung", wie die Stiftung in ihrem Aufruf erklärte. An der Aktion nahmen hunderte Kirchen aus 22 Diözesen in Grenznähe teil.

In der Europäischen Union sperrt sich Polen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Besonders Muslime werden vielfach mit Skepsis betrachtet. Der polnische Innenminister Mariusz Blaszczak hatte im Sommer ein Einreiseverbot für Migranten aus islamischen Staaten in die EU gefordert. Die Multikulti-Politik sei eine "Abkehr von den Wurzeln der europäischen Zivilisation und damit auch vom Christentum" und bringe "faule Früchte".

"Was sich in den letzten Jahren verschlimmert hat, ist der Gebrauch von Hasssprache mit Blick auf Muslime und Flüchtlinge", sagte die Psychologin Karolina Hansen vor kurzem dem Deutschlandfunk. "Obwohl insbesondere letztere in Polen gar nicht vorhanden sind, sind die Leute sehr voreingenommen. Sie wollen keine Flüchtlinge aufnehmen und auch keinen Kontakt mit ihnen."

Quelle: ntv.de, ghö/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen