Politik

Gelöste Stimmung nach Urteil Zehntausende feiern am Hambacher Forst

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Der Rodungsstopp wird von den Demonstranten als kleiner Sieg im Kampf für den Kohleausstieg gefeiert.

(Foto: dpa)

Die Rodung des Hambacher Forsts wurde vorerst gestoppt. Der Wald bleibt aber Schauplatz für Demonstrationen von Umweltschützern. Was sich seit dem beschlossenen Rodungsstopp geändert hat, ist jedoch die Stimmung bei den Demonstranten.

Trotz des vorläufigen Rodungsstopps im Hambacher Forst haben dort erneut Umweltschützer gegen den Kohleabbau demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter, darunter Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), kamen rund 50.000 Menschen zu der Großdemonstration in der Nähe von Buir. Sie sprachen von der "bislang größten Anti-Kohle-Demonstration im Rheinischen Revier". Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl deutlich niedriger ein. Sie sprach von 25.000 bis 30.000.

Bei strahlender Sonne herrschte auf den Äckern am Saum des Waldes bei Köln Festivalstimmung mit Reden und Live-Musik. BUND-Chef Hubert Weiger sprach von einem "starken Signal der Zivilgesellschaft für einen schnellen Kohleausstieg". Für die eingesetzte Kohlekommission gehe es nun darum, einen großen gesellschaftlichen Kompromiss für den schnellen Kohleausstieg und für zukunftsfähige Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen zu verhandeln.

Demo mit Livemusik und Ballons

Auch Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser wertete die Großdemo am Hambacher Forst als "klares Signal Richtung Berlin". "Hunderttausende Menschen wollen, dass der Ausstieg aus der Kohle schon heute beginnt", erklärte Kaiser. Kein Wald, kein Dorf, keine Kirche dürften mehr für klimaschädliche Kohle geopfert werden.

Neben den großen Umweltverbänden hatten auch Initiativen wie Buirer für Buir, Campact und die Naturfreunde Deutschlands zu der Veranstaltung aufgerufen. Vor Ort auf einem großen Feld neben dem Wald herrschte Festival-Atmosphäre mit Ballons und Livemusik. Auf Bannern waren Losungen wie "Hände weg vom Hambacher Forst", "Kein Baum ist egal" und "Hambacher Wald bleibt! Kohlenausstieg jetzt!" zu sehen. Die Polizei war mit verstärkten Kräften im Einsatz.

Aktivisten rufen zum Bau neuer Baumhäuser auf

Zeitgleich rief die Aktivistengruppe "Ende Gelände" zum Bau neuer Baumhäuser im Hambacher Forst auf. "Ende Gelände freut sich über neue Baumhäuser und andere Besetzungs-Strukturen, die heute entstehen", teilten die Aktivisten mit.

Die Polizei konnte noch nicht bestätigen, dass neue Baumhäuser gebaut worden seien. "Aber es sind Tausende von Menschen im Wald", sagte eine Sprecherin. Den Wald zu betreten, sei seit Ende der Räumungsarbeiten nicht mehr verboten - wohl aber der Bau neuer Baumhäuser.

Angesichts des jüngsten Gerichtserfolges der Umweltschützer herrschte am Hambacher Forst nach Aussage von Greenpeace-Aktivisten "super Stimmung". Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte am Freitag einen Eilentscheid erlassen, wonach der Hambacher Forst nicht gerodet werden darf, bis über eine Klage des Umweltverbands BUND entschieden ist. Damit rechnet der Energiekonzern RWE, der den Wald abholzen will, um seinen angrenzenden Braunkohletagebau zu erweitern, aber nicht vor Ende 2020.

Umsiedlungen für den Braunkohleabbau

Greenpeace-Aktivistin Gesche Jürgens sagte vor Ort, die Entscheidung des Gerichts sei "ein total tolles Signal an die Aktivisten, die hier schon seit Jahren wohnen". Nach Angaben der Initiative "Ende Gelände" wurde auch ein bunt bemaltes Baumhaus mit zur Kundgebung gebracht. Das Baumhaus sei als Zeichen der Solidarität von der Initiative "Pödelwitz bleibt" gebaut worden. Pödelwitz ist ein von Abbaggerung bedrohtes Dorf im Leipziger Braunkohlerevier.

"In Deutschland sind immer noch mehrere Tausend Menschen von Umsiedlung bedroht", erklärte "Ende Gelände"-Sprecherin Karoline Drzewo. "Kein weiteres Dorf darf für den Kohleabbau weichen, weder im Rheinland noch in den anderen Revieren."

Quelle: n-tv.de, agr/AFP

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