Politik

Aussage zu Kölner Silvesternacht Zeugin schildert vollzogene Vergewaltigung

d934d5960bf6d78c1d02cca9ef691845.jpg

Rund 650 Anzeigen sind bis heute allein bei der Kölner Polizei eingegangen. Wie hoch ist die Dunkelziffer?

(Foto: dpa)

Vor dem Untersuchungsausschuss schildert eine Sozialpädagogin eine neue Dimension der Gewalt, von der ein Opfer der Übergriffe berichtet hat: Die 18-Jährige gibt an, inmitten der Menschenmenge vergewaltigt worden zu sein. Sie wird schwanger.

Vor dem Untersuchungsausschuss im Kölner Landtag hat eine Zeugin eine bisher unbekannte Dimension der Gewalt während der Übergriffe in der Silvesternacht geschildert. Wie der Westdeutsche Rundfunk berichtet, sagte Frauke Mahr, Leiterin der Kölner Beratungsstelle "Lobby für Mädchen", vor den Parlamentariern aus, dass eine 18-Jährige inmitten der Menschenmenge von einem Mann vergewaltigt wurde. Das Opfer habe sich bereits Mitte Januar bei der Beratungsstelle gemeldet und werde noch immer betreut.

Zu der Tat sei es nach Aussage des Mädchens direkt vor dem Bahnhofsgebäude gekommen, wo sich zu diesem Zeitpunkt bereits tumultartige Szenen abgespielt hätten. Mehrere Männer sollen die junge Frau zunächst hin- und her geschubst und schließlich zu Boden gerissen haben. "Ein Mann lag auf ihr drauf. Sie konnte sein Gesicht sehen", so Mahr. Laut der 18-Jährigen sei es dann zu der Vergewaltigung gekommen. Erst als ein Polizist den Mann wegriss, habe sich das Opfer befreien können. "Sie ist dann in Panik weggerannt", berichtete Mahr weiter.

Es ist das erste Mal, dass im Zusammenhang mit den Kölner Übergriffen von einer Vergewaltigung mit vollzogenem Koitus berichtet wird. Nach Aussage der Sozialpädagogin hat sich die junge Frau zwar direkt nach der Tat in einem Krankenhaus stationär behandeln lassen - wobei auch Spuren sichergestellt werden konnten, dennoch habe sie aus Scham keine Anzeige erstattet. "Je gravierender der Missbrauch, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Anzeige", sagte Mahr einem Bericht des "Kölner Express" zufolge. Unklar sei zudem, ob eine später festgestellte Schwangerschaft mit der Tat zu tun haben könnte. Das Mädchen habe sich laut Mahr für eine Abtreibung entschieden.

Zweites Opfer meldete sich nicht mehr

Bei den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht hat es nach BKA-Angaben deutschlandweit insgesamt knapp 900 Sexualdelikte mit mehr als 1200 Opfern gegeben - davon rund 650 allein in Köln. Es seien bisher aber nur 120 Verdächtige ermittelt worden, so die Bilanz des Bundeskriminalamtes, die am vergangenen Sonntag publik wurde. "Wir müssen davon ausgehen, dass viele dieser Taten auch im Nachgang nicht mehr ausermittelt werden", sagte BKA-Präsident Holger Münch.

Vor dem Kölner Untersuchungsausschuss hatte Mahr zudem von einem möglichen weiteren Vergewaltigungsopfer berichtet, das in der Beratungsstelle angerufen habe. "Sie weinte heftig, es ging ihr richtig schlecht", berichtete die Beraterin. Nach dem ersten Telefonat habe sie sich aber nicht mehr gemeldet.

Quelle: ntv.de, jug