Politik

Christoph Ahlhaus "Zugewanderter" agiert glücklos

Im Wahlkampf tut sich der amtierende Erste Bürgermeister von Hamburg schwer: Ahlhaus agiert inhaltlich ratlos und wenig glücklich in der politischen Auseinandersetzung. Und dann bietet der gebürtige Heidelberger dem politischen Gegner auch noch eine Steilvorlage.

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Dass er überraschend witzig sein kann, reicht Ahlhaus in Hamburg nicht aus, wo sonst hanseatisch-kühle Distanziertheit regierte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Christoph Ahlhaus kämpft in diesen Tagen um jede Stimme. An manchen Tagen besucht der 41-jährige Hamburger Bürgermeister und Spitzenkandidat der CDU vier Einkaufszentren oder Wochenmärkte. Er gilt als symphatisch und offen, der direkte Kontakt liegt dem gebürtigen Heidelberger. Dass Ahlhaus seine Partei nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition in der Hansestadt bei der Bürgerschaftswahl am 20. Februar zum Sieg führt, glaubt an der Elbe gleichwohl niemand mehr. Zu abgeschlagen liegt die CDU in Umfragen, zu unglücklich agiert der Bürgermeister in der politischen Auseinandersetzung.

Im Duell mit seinem SPD-Herausforderer Olaf Scholz, dem politisch erfahrenen ehemaligen Bundesarbeitsminister, sieht der gelernte Bankkaufmann, Jurist und Verwaltungsfachmann Ahlhaus alt aus. Im Wahlkampf kann der Bürgermeister, der vor rund neun Jahren nach Hamburg kam und dort zum CDU-Landesgeschäftsführer und später Innensenator wurde, das Ruder zumindest bislang nicht herumreißen.

"Ältester 40-Jährige der Stadt"

Als Ahlhaus nach dem Rückzug Ole von Beusts aus dem Bürgermeisteramt im vergangenen August plötzlich die Geschäfte an der Senatsspitze übernahm, galt der "Zugewanderte" in der traditionsbewussten Hansestadt bei vielen von Anfang an eher als Übergangslösung. Davon unbeirrt startete der als provinziell und konservativ geltende Ahlhaus eine Imageoffensive. Der massige Senator - wegen seines wenig jugendhaften Aussehens zu diesem Zeitpunkt in der Presse gern als "ältester 40-Jähriger der Stadt" bespöttelt - ließ sich in einer Kneipe im linksalternativen Schanzenviertel interviewen und posierte mit seiner Gattin Simone für eine Illustrierte.

Die skeptischen Mitglieder der Hamburger Grünen (GAL) umwarb der frühere Innensenator nach dem Beust-Abgang bei einem Besuch so erfolgreich, dass viele danach regelrecht von der erfrischenden Selbstironie des neuen Bürgermeisters schwärmten. Die schwarz-grüne Koalition rettete Ahlhaus damit zunächst. Ahlhaus könne ja unterhaltsam und witzig sein, bemerkten viele Hamburger etwas überrascht.

SPD will Ahlhaus Wunsch erfüllen

Im Wahlkampf versucht er nun, diese persönlichen Stärken auszuspielen und im direkten Wählergespräch auf den Straßen und Plätzen der Stadt zu punkten. Das allein aber scheint in Hamburg, wo hanseatisch-kühle Distanz seit jeher auch Bürgermeister auszeichnet, nicht zu reichen - zumal Ahlhaus an anderen Fronten nach Auffassung vieler bislang eher ungeschickt agiert.

Das gilt vor allem im Wahlkampf über die Medien. Bei einem TV-Duell mit SPD-Kontrahent Scholz - selbst als wenig charismatisch verschrien - wirkte Ahlhaus vor einigen Wochen überraschend hölzern. Und als dem CDU-Bürgermeister kürzlich in einem Interview der Satz entglitt, er würde sich freuen, wenn er "im neuen Jahr mehr Zeit im Privatleben verbringen würde", reagierte die SPD auf diese Steilvorlage prompt. Sie bedruckte Postkarten mit dem Zitat - ergänzt nur um den hämischen Zusatz: "Wünsche erfüllen. Am 20. Februar SPD wählen."

Ahlhaus verspricht "CDU pur"

Auch inhaltlich wirken Ahlhaus und seine Partei ratlos. Einen großen Teil seiner Wahlkampfmunition verschoss der 41-Jährige bislang auf seinen ehemaligen Regierungspartner. Die GAL, von ihm selbst noch vor Wochen gelobt und umworben, präsentiert er in diesen Wochen gern als abschreckendes Beispiel ideologischer Verblendung. Gleichzeitig beschwört er den liberalen Kurs seiner Partei und betont, diese stehe mit ihm als "CDU pur" wieder für konservativere Positionen.

Ahlhaus habe durch solche Aussagen seine politische Glaubwürdigkeit und die der Hamburger CDU völlig ruiniert, zog der Publizist und Politikberater Michael Spreng jüngst in seinem Blog ein vernichtendes Fazit. Dessen Wahlkampf sei das "unglaubwürdigste, was sich eine deutsche Partei seit langem erlaubt hat", schrieb der einstige Wahlkampfmanager von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.

Quelle: n-tv.de, Sebastian Bronst, AFP

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