Politik

SNP will mitbestimmen Zwei unbeugsame Schotten gegen Cameron

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Alex Salmond und Nicola Sturgeon haben ihre Pläne von einem unabhängigen Schottland noch nicht aufgegeben.

(Foto: REUTERS)

Der eine ist der Übervater des schottischen Nationalismus, die andere der Superstar des Wahlkampfes. Alex Salmond und Nicola Sturgeon werden David Cameron über Jahre so gefährlich werden wie kein anderer Politiker.

Wenn sich Nicola Sturgeon ein Wahlergebnis hätte wünschen können, es wäre wohl ziemlich genau so ausgefallen, wie es nun ausgefallen ist. Ihre Schottische Nationalpartei SNP hat fast alle Wahlkreise gewonnen, in denen sie angetreten ist. Und was fast genauso wichtig ist: Ihr Lieblingsfeind David Cameron bleibt an der Macht.

Danach sah es vor der Wahl nicht aus. Die SNP hätte auch eine Labour-Regierung stützen können. Gemeinsam hätten die Parteien den wirtschaftsliberalen Kurs des konservativen Premiers Camerons beendet und eine sozialdemokratische bis linke Politik gemacht. Für die SNP wäre das eine Gratwanderung gewesen: Denn sie steht Labour zwar inhaltlich nahe, aber bei ihrem Kernthema, der schottischen Unabhängigkeit, sind beide erbitterte Gegner.

Salmond prägte die Schotten

Nun aber sind die Aufgaben für die schottischen Separatisten klar: eine harte linke Opposition in London, gestützt vom Regionalparlament in Edinburgh, wo sie die absolute Mehrheit haben. In Edinburgh regiert Sturgeon, in London zieht nun ihr Vorgänger Alex Salmond ins Parlament ein. Das Duo hat jahrelang eng zusammengearbeitet, beide fahren einen identischen politischen Kurs.

Salmond wurde schon 1990 Vorsitzender der SNP und machte die Partei stark. 2007 wurde er zum schottischen Regierungschef gewählt. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass London immer mehr Kompetenzen an das schottische Parlament abgeben musste. Keiner giftete so leidenschaftlich gegen die politische Führungskaste in "Westminster", dem britischen Parlamentssitz. Mit seinen populistischen Reden stärkte Salmond die nationale Identität und sorgte dafür, dass sich die Schotten nicht nur beim Fußball, sondern auch in der Politik als Schotten fühlen.

Sturgeon auch bei Engländern beliebt

Sturgeon stand lange im Schatten Salmonds. Zehn Jahre lang war sie seine Stellvertreterin und wirkte oft wie Beiwerk. Sie organisierte die Kampagne zum Referendum über die Unabhängigkeit im vergangenen Jahr, die großen Bühnen gehörten Salmond. Nach dem gescheiterten Referendum trat Salmond als Parteivorsitzender und als Regierungschef zurück. Sturgeon war die natürliche Nachfolgerin, nahm sich aber einige Zeit, bevor sie eine Entscheidung traf. Würde sie mit ihrer stillen Art die Rolle ausfüllen können, die Salmond definiert hatte? Im gesamtbritischen Wahlkampf zeigte Sturgeon, dass sie dazu absolut in der Lage ist. Sie erstritt sich einen Platz in den TV-Debatten und bekam in den Umfragen danach sogar unter Engländern hervorragende Werte.

Selbst die Zeitungen, die im vergangenen Jahr fast alle Position gegen die schottische Unabhängigkeit bezogen, feierten Sturgeon. Wenn es die SNP nicht gäbe, könnte sie sich um den Labour-Vorsitz bewerben, schrieb der "Independent". Zumindest hat sie den Engländern gezeigt, dass es nicht nur Wahnsinnige sind, die sich für die schottische Unabhängigkeit einsetzen.

Wer sollte die Opposition führen wenn nicht Salmond?

Labour-Chef Ed Miliband hätte das Angebot Sturgeons, eine Labour-Regierung zu unterstützen, nicht ablehnen können. Doch davon ist nun ohnehin keine Rede mehr. Miliband ist als Parteichef zurückgetreten. Viele Labour-Spitzenpolitiker sind nicht ins Parlament eingezogen. Bis sich ein Nachfolger Milibands etabliert hat, wird die SNP die lauteste Stimme in der "Westminster"-Opposition sein. Zumal es der rechtspopulistische Ukip-Chef Nigel Farage gar nicht erst ins Parlament geschafft hat. Salmond, der Übervater des schottischen Nationalismus, könnte gut den Angreifer geben. Und während er in London Cameron das Leben schwer macht, zeigt Sturgeon in Edinburgh, wie sie sich linke schottische Politik in der Praxis vorstellt. Eine perfekte Rollenverteilung.

Kommt nun ein neues Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands? Vorerst nicht. Das Mandat dazu müssten die Schotten in der "Holyrood"-Wahl geben, sagte Sturgeon, also in der Wahl zum schottischen Parlament. Die steht in einem Jahr an. Derzeit sieht es so aus, als könnte die SNP ihre absolute Mehrheit dann sogar noch verstärken. Und das würde Sturgeon dann sicher als einen Auftrag verstehen, ein neues Referendum einzuleiten. Zumal dann das Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU bevorstehen wird. Und diesen Schritt möchten die Schotten lieber nicht mitgehen.

Quelle: n-tv.de

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