Politik
In Kuba gibt es Demonstationen für die Ziele des verstorbenen Dissidenten.
In Kuba gibt es Demonstationen für die Ziele des verstorbenen Dissidenten.(Foto: AP)
Sonntag, 29. Juli 2012

Witwe erhebt Vorwürfe gegen Kuba: Zweifel an Payás Unfall

Hier kommt der Autor hin

Der Kubanische Dissident Oswaldo Payá stirbt vor einer Woche bei einem Verkehrsunfall. Die Regierung behauptet, der Fahrer des Wagens sei schuld, doch Payás Witwe bezweifelt das. Eine Objektive Beurteilung ist nicht möglich – die Überlebenden des Unfalls werden abgeschottet.

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Die Frau des kubanischen Regierungsgegners Oswaldo Payá hat die amtliche Darstellung zum Tod ihres Mannes zurückgewiesen. Ofelia Acevedo sagte, sie habe keine Gelegenheit erhalten, mit den beiden ausländischen Überlebenden des tödlichen Verkehrunfalls zu sprechen. Der 60-jährige Payá, der jahrzehntelang für Reformen im kommunistisch regierten Kuba gekämpft hatte, war am 22. Juli gestorben. Sie lehne den Untersuchungsbericht ab, weil es der amtliche Bericht der kubanischen Regierung sei und sie keinen Zugang zu den vorliegenden Informationen gehabt habe, sagte Acevedo. "Ich habe keinerlei Grund, diese Version der Ereignisse zu glauben."

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In dem Bericht des kubanischen Innenministeriums heißt es, der Fahrer des Mietwagens, in dem Payá verunglückte, habe keine Kontrolle über das Fahrzeug gehabt und habe bei zu hoher Geschwindigkeit und schlechten Straßenverhältnissen abrupt gebremst. Der Wagen sei dann von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Bei dem Unfall im Südosten Kubas starb auch der kubanische Regierungsgegner Harold Cepero. Der Fahrer, der Vize-Sekretär der Jugendorganisation der konservativen spanischen Volkspartei (PP), Angel Carromero, und der Vorsitzende von Schwedens Christdemokratischem Jugendverband, Jens Aron Modig, wurden verletzt. Die beiden 27-Jährigen wurden im Krankenhaus behandelt und befinden sich derzeit in Gewahrsam der kubanischen Behörden.

Der amtliche Bericht erwähnt kein zweites Auto

Acevedo sagte, sie habe über die Botschaften Spaniens und Schwedens versucht, mit den beiden Kontakt aufzunehmen. "Aber noch nicht einmal die Botschaften durften mit den Politikern ohne die Anwesenheit der Staatssicherheit sprechen", sagte Payás Witwe. Carromero droht wegen des Verkehrsunfalls in Kuba eine lange Haftstrafe. Nach Überzeugung von Payás Angehörigen wurde der Unfall von einem zweiten Wagen provoziert. Im amtlichen Untersuchungsbericht, der sich auf die Aussagen von drei Augenzeugen des Unfalls und die Angaben des Fahrers beruft, ist von einem zweiten Fahrzeug keine Rede.

Payá, der Gründer einer christlichen Bürgerrechtsorganisation für Demokratie und Menschenrechte in Kuba, hatte 1998 eine Petition für eine freie Volksabstimmung über politische Reformen in Kuba gestartet. 2002 erhielt der Ingenieur und Menschenrechtler den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments. Bei seiner Bestattung gab es Protestrufe, Mitstreiter Payás wurden festgenommen.

Quelle: n-tv.de