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Terror-Bild wird Weltpressefoto Diese Auszeichnung geht an den Hass

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Das Foto entstand unmittelbar, nachdem der Attentäter den Botschafter erschossen hatte.

(Foto: REUTERS)

Das Foto von der Ermordung des russischen Botschafters in Ankara wird mit dem "World Press Photo Award" ausgezeichnet. Ein Fehler.

Wer über Suizide berichtet, nimmt in Kauf, dass sich kurz darauf weitere Menschen das Leben nehmen. Wer über Amokläufer berichtet, riskiert, dass irgendwo noch eine kranke Person nach einer Waffe greift. Wer Bilder von Terroristen zeigt, der gibt ihnen genau das, was sie wollen und macht sie zu Märtyrern. Mit dem World Press Photo 2017 überschreitet die Jury alle üblichen roten Linien journalistischer Arbeit und erfüllt dem Attentäter seinen letzten großen Wunsch: maximale Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit.

Die Organisation, die seit 1955 herausragende Pressefotos auszeichnet, vergibt dieses Jahr den Preis an den AP-Fotografen Burhan Ozbilici. Er hat den Attentäter fotografiert, nachdem dieser den russischen Botschafter in Ankara erschossen hatte. Die Auszeichnung geht damit aber nicht nur an einen mutigen Fotografen, der auch in einer lebensbedrohlichen Situation seine Arbeit gemacht hat, sondern bestätigt auch all jene, die auch gerne den Abzug betätigt hätten oder es in Zukunft tun könnten. Es ist nicht das erste Mal, dass der Preis an ein Bild geht, dass eine Hinrichtung zeigt. Das wohl bekannteste ist das Foto des Kriegsjournalisten Eddie Adams, der im Vietnamkrieg fotografierte, wie ein Polizist einen Vietcong auf offener Straße erschießt. Doch das nun ausgezeichnete Bild geht noch weiter.

Mit erhobenem Zeigefinger, einer in den vergangenen Jahren geradezu ikonisch gewordenen Geste für islamistischen Hass, schreit der Attentäter "Allahu Akbar" in den Raum der Galerie in Ankara. Hinter ihm liegt der leblose Körper des russischen Botschafters Andrej Karlov, im unscharfen Hintergrund des Bildes sind Fotos einer Ausstellung zu sehen, die der Abgesandte aus Moskau eröffnen wollte. Das Gesicht des 22-jährigen Attentäters ist hasserfüllt, in der Hand hält er die Pistole, mit der er Karlov getötet hat. Der Mann trägt einen gut sitzenden Anzug mit Krawatte, er ist rasiert. Das förmlich-westliche Äußere will nicht in unser Bild eines islamistischen Terroristen passen.

Der Attentäter war ein türkischer Elite-Polizist, gegen ihn wurde nach dem Putschversuch ermittelt. Er soll strenger Moslem gewesen sein, war mehrfach in Katar, hatte möglicherweise gute Kontakte zu islamistischen Terrororganisationen in Syrien. Der IS und Al-Kaida feierten seine Tat, die radikalislamische Dschaisch al-Fatah übernahm die Verantwortung für den Terroranschlag. Am Ende wird der Attentäter selbst in der Galerie erschossen. Auch Bilder seines von Kugeln durchschlagenen Körpers gehen um die Welt. Seine Gesinnungsgenossen haben einen Märtyrer und können sich nun darüber freuen, dass sein Bild noch einmal durch die globalen Medien gereicht wird.

Die Auszeichnung geht an einen Fotografen, der in einem Land lebt, in dem die Pressefreiheit permanent unter massivem Druck steht. Und der trotz Lebensgefahr seine Arbeit getan hat und festgehalten hat, was passiert. Insofern ist die Auszeichnung in gewisser Hinsicht auch nachvollziehbar.

Dennoch hat die Jury einen Fehler gemacht. Das Foto zeigt Terroristen, Tatwaffe und Opfer in einem Bild und ist moralisch damit ebenso problematisch wie die Bilder von Enthauptungen durch IS-Terroristen, wie die Verbrennung feindlicher Kombattanten und all die anderen bestialischen und unerträglichen Aktionen, mit denen der islamistische Terror nach Aufmerksamkeit giert.

Quelle: ntv.de